Gregor Hildebrandt

Gregor Hildebrandt

Gregor Hildebrandt Rohkunstbau 2009

"Als wir im Spätsommer den Baum im Garten vom Haus am Waldsee mit Tonbändern behängten, fielen immer wieder größere Mengen auf die grüne Wiese, so dass sie sich mehr und mehr mit der Abendsonne ins Schwarze verfärbte. – Ein riesiger „Klangteppich“ breitete sich aus und die letzten Sonnenstrahlen des Tages reflektierten durch den schwarz metallischen Glanz des Tonbandes darin so sehr, dass der Eindruck entstand, sich auf tiefem schwarzen Meer – voller Musik – zu bewegen. Mit der zunehmenden Dunkelheit – durch die heranbrechende Nacht auf unserer schwarzen Wiese – wurde der Garten zum Universum."
Gregor Hildebrandt

Gregor Hildebrandt verfolgt mit großer Stringenz sein Konzept: Aus Bändern von Tonkassetten erstellt er Arbeiten auf Leinwand und Papier bis hin zu raumgreifenden Installationen. In formaler Hinsicht geschieht dies mit einer rationalen Strenge, die die Bezüge zur Minimal und Concept Art der 60er- und 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts eindeutig macht. Fragen der Bildherstellung, der Reduktion und der Serialität kommen zur Sprache ebenso wie die rohe Materialität, die die Schattierungen der schwarz-braunen Farbe zur Substanz werden lässt. Und doch ist dieser Verweis zu einfach. Als Antithese zur vordergründig minimalistischen Strenge tritt ein im Verborgenen schlummernder Romantizismus hervor. Das Herzstück ist dabei die Musik, die auf den Bändern gespeichert ist und im Zusammenhang mit dem jeweiligen Bild steht. Vornehmlich sind es Songs der 1980er- und 1990er-Jahre unterschiedlicher Genres, denen eine durchweg düstere, sentimentale Stimmung zu eigen ist. Narrative Elemente treten dem strengen Konzeptualismus zur Seite.

Für Rohkunstbau legt Hildebrandt einen geräumigen Bodenteppich aus, der aus einem höchst ungewöhnlichen Material angefertigt ist: aus schimmernd schwarzen Kassettentonbändern. Auch schraubt sich an anderer Stelle des Schlosses eine Säule aus Schallplatten viele Meter in die Höhe. Analog zu den Atlantis-Mythen erzählen diese Arbeiten von einer untergegangenen Ära, die in unserer Erinnerung immer idealisierter erscheint. Obwohl man sie nicht wirklich hören kann, füllt die in Hildebrandts Arbeiten eingestrickte Musik den Raum, überwältigt unsere Fantasie und bringt uns zurück in die 1970er-Jahre. Ein nostalgischer Traum eines anderen Lebensgefühls wird wach.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2009 Der Himmel im Raum, Berlinische Galerie, Berlin, Germany
2008 Front Room, Contemporary Art Museum St. Louis, St. Louis, USA
2008 Statement Basel, Jan Wentrup Gallery, Berlin, Art 39 Basel, Switzerland
2008 “und im Garten blüht ein Blumenbeet“, Haus am Waldsee, Berlin, Germany
2007 Zum Wohl der Tränen, Almine Rech Gallery, Paris, France

Ausgewählte Gruppenausstellungen
2009 Berlin 2000, Pace Wildenstein Gallery, New York, USA
2008 The Demolition Party, Le royal Monceau SA, Paris, France
2007 At home, Yvon Lambert Gallery, New York, USA
2005 36 x 27 x 10, White Cube, Berlin, Germany
2002 Sounds, G7, Berlin, Germany

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