Martin Assig

Martin Assig

Martin Assig, Rohkunstbau 2009

"Da die Zeugung eines Lebewesens vom Nichtleben zum Lebewesen, sozusagen vom Nichtsein zum Sein vorschreitet, so rollt die Vernichtung im gleichen Schritt aus dem Sein ins Nichtsein zurück, daher das, was bei den Lebewesen zuletzt entsteht, zuerst versagt, und das, was zuerst entstanden ist, zuletzt."
Aus: William Harvey, Die Bewegung des Herzens und des Blutes, 1628, 4. Kapitel, „Die Bewegung des Herzens und der Herzohren, wie sie sich aus Vivi-sektionen ergibt“, Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig, 1910 (lat. Orig.: Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus)

Martin Assigs Skulpturen und Gemälde sprechen eine einfache, emblematische Sprache, die einem Märchen entstammen könnte. In bildhafter Weise schafft er archaisch anmutende Welten, in denen man sich sogleich zu Hause fühlt. Dabei liegt diesem komplexen Werk eine fortwährende, rastlose Suche nach dem Sinn menschlicher Existenz zugrunde, in einer vorwiegend auf das Hier und Heute gerichteten materialistischen Welt. So sind seine Haus- und Kirchenskulpturen im Wissen um die Heimatlosigkeit des menschlichen Bewusstseins zu verstehen. Sie zielen auf die dem Menschen eigene, ungeklärte Innerlichkeit, die den Auf- und Untergang von Kulturen ermöglicht und zugleich unser tiefstes Rätsel bleibt. In seinen Gemälden und Papierarbeiten verwendet Assig vorwiegend die schon von den alten Ägyptern verwendete Technik der Enkaustik, die durch das Wachs den Arbeiten eine halbluzide Transparenz und somit eine transzendente Wirkung verleiht.

Für Rohkunstbau schafft Assig eindringliche Skulpturen und Zeichnungen, die den Mythos des sagenumwobenen Atlantis, sein ideales Staatswesen und die damit verbundenen Fantasien in sich tragen. Als Wunschbild voller Sehnsucht wohnt dies dem Menschen seit Jahrhunderten inne, wofür Assig so einfache Formen wie einen Turm, ein Haus oder ein Mausoleum findet. Ihnen ist so Gegensätzliches wie Stillstand und Fortschritt oder Konstruktion und Destruktion eingeschrieben. Ein fernes Wispern, ein Hauch von Rätselhaftigkeit scheint sie dabei zu umwehen.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2008 Westwerk Havelhaus, Volker Diehl Gallery, Berlin, Germany
2006 Glück im Tropfen, Jablonka Gallery, Cologne, Germany
2004 Lieder/Songs, Michael Kohn Gallery, Los Angeles, USA
2001 Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, Spain
2000 Martin Assig, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, Germany

Ausgewählte Gruppenausstellungen
2008 spot on, Museum Kunstpalast Düsseldorf, Germany
2007 Symbolismus und die Kunst der Gegenwart, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, Germany
2005 (my private) Heroes, MARTa Herford, Germany
2005 Sammelleidenschaften, Neues Museum Weserburg, Bremen, Germany
1990 GegenwartEwigkeit, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Germany

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