Johanna Smiatek

Johanna Smiatek

Joahanna Smiatek Rohkunstbau 2010

"Als Narziß tot war, verwandelte sich die Quelle seiner Lust; aus einer Schale voll süßen Wassers wurde ein Becher bitterer Tränen. Da weinten die Bergnymphen; sie eilten durch den Hain herbei und stimmten ihre Lieder an, um die Quelle zu trösten. Als sie aber innewurden, dass die Quelle aus einer Schale voll süßen Wassers sich in einen Becher bitterer Tränen verwandelt hatte, da lösten sie ihre laubgrünen Flechten, klagten mit der Quelle und sprachen zu ihr: Wirklich, es wundert uns nicht, dass du so um Narziß trauerst; denn er war wunderschön!
Wie das? sprach die Quelle, war denn Narziß so schön?
Wer könnte das besser wissen als du? antworteten die Bergnymphen. Ging er doch an uns unverwandt vorüber, aber dich, dich suchte er immerfort auf, um sich über deine Ufer zu beugen; zu dir senkte er den Blick, denn im Spiegel deiner Welle sah er, wie schön er war.
Da erwiderte die Quelle: Wenn ich Narziß geliebt habe, sooft er sich über mich neigte und seinen Blick in meine Flut tauchte, so deshalb, weil ich im Spiegel seiner Augen meine Schönheit sah."
Aus: Oscar Wilde, „Der Schüler (Gedichte in Prosa)“, in: ders., „Die Wahrheit der Lüge“, Artemis Bibliothek, übersetzt von Wolfgang Klee

Die Alltagsgegenstände machen sich in Johanna Smiateks Installationen selbstständig. Sie versetzt gewöhnliche Gegenstände in Bewegung; durch eingebaute Motoren und Bewegungsmelder werden diese lebendig. Ikonografisch befassen sich die Arbeiten mit Narzissmus, Mode und Glamour und zielen dabei auf Klischees der modernen Weiblichkeit ab. Das bildhauerische Vokabular besteht aus Pumps, Lippenstiften sowie – häufig verwendet – Spiegeln, Handtaschen und Glitzer. Jedoch wird die poppig-weibliche Coolness durch (selbst)ironischen Witz oder Enthüllung oft unter Einbeziehung des Betrachters gebrochen, der durch seine Anwesenheit überraschend einen Mechanismus auslöst, wie zum Beispiel in dem Interieur unter dem Titel „Die Nacht davor“, wenn Silikonqueues anfangen zu vibrieren und Billardkugeln rotieren. Hier entsteht die Skurrilität nicht nur mit der Belebung der Dinge, sondern auch durch teils befremdliche, manchmal anzügliche Assoziationsketten.

Für Rohkunstbau zeigt die Künstlerin mit ihrer Arbeit „Ivory Tower“ einen achteckigen Pavillon in der imposanten Eingangshalle des Schlosses Marquardt. Wirkt dieser zunächst geschlossen wie eine Säule, zeigt er sich im Inneren fast transparent durch die rundum verlaufenden Spiegel. Der Betrachter wird so von seinem eigenen Spiegelbild empfangen, löst aber gleichzeitig beim Betreten des Pavillons einen Mechanismus aus, durch den eine Landschaft mit Tempeln hinter den Spiegeln beleuchtet und sichtbar wird. Anhand ihrer fremdartigen Gebäude ruft diese Assoziationen nach einer anderen Welt hervor, die als Anspielung auf Atlantis verstanden werden kann.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2008 Only made for You, Kunstpunkt Berlin, Galerie für aktuelle Kunst, Berlin, Germany
2007 Gelée Royal, oberwelt e.V., Stuttgart, Germany
2002 Exhibited and Removed, Kunstverein Gifhorn, Gifhorn, Germany
2002 Am Ende doch was anderes/In the End something Else ..., Allgemeiner Konsumverein Braunschweig, Brunswick, Germany
1997 In Space, Künstlerhaus Hannover, Hanover, Germany

Ausgewählte Gruppenausstellungen
2009 Romantische Maschinen, Georg-Kolbe-Museum, Berlin, Germany
2009 22. Stuttgarter Filmwinter, Media in Space, Stuttgart, Germany
2008 AUTOKINO kinetic sculptures, ZERN II, Berlin, Germany
2007 Hentz, Lange, Smiatek, Kunstpunkt Berlin,
2007 Galerie für aktuelle Kunst, Berlin, Germany
2006 Independent Biennial Liverpool 2006, Museum MAN, Liverpool, UK

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