Mariana Vassileva

Mariana Vassileva

Mariana Vassileva, Rohkunstbau 2011

In klarer Bildsprache präsentiert Mariana Vassileva ihre Arbeiten. Ob es sich um Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen oder Videos handelt, ihre Werke sind geprägt von den Begriffen der Ästhetik und Harmonie – bei näherer Betrachtung erschließt sich jedoch die feine Ironie, die hinter jeder Arbeit steckt. In kunstgeschichtlicher Anlehnung bedient sie sich Bildern aus dem kollektiven Gedächtnis, die sie jenseits von Raum und Zeit präsentiert. Losgelöst aus jeglichem Kontext, erzeugt sie dennoch gerade durch diesen Transformationsprozess totale Gegenwärtigkeit. Mit distanziertem Blick entlarvt sie spielerisch häusliche Stereotype und setzt sich nicht zuletzt mit zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Problem der Kommunikation auseinander. Dabei führt sie dem Betrachter beispielsweise mit ihrem Neonschriftzug „Nothing is just“ in feinem Wortspiel die Subtilität der Sprache vor.
Im Foyer des Schlosses präsentiert Mariana Vassileva ihre Arbeit „Accelerator“: Im Zentrum der Halle dröhnt der Motor eines Bugatti, bekrönt von einem futuristisch anmutenden Lichtobjekt, das von der Decke hängt. Der Motor der Luxuslimousine sowie das Leuchtobjekt korrespondieren miteinander, abhängig von der Lautstärke des Motors verändert sich das Licht, das wie eine Dornenkrone über dem Motor schwebt. Die Objekte stehen im Gegensatz zueinander: Die Dornenkrone – sinnbildlich für den Untergang – krönt den Motor, das Emblem für Reichtum, Geschwindigkeit und Macht.

Die Künstlerin selbst sagt über sich und ihre Arbeiten:
Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Ort in Bulgarien, in dem nicht mehr als 400 Menschen lebten. Die Nachrichten brachte ein Mann mit einer Trommel. Später wurde er ersetzt durch einen Lautsprecher und nach einem Jahr durch kleine Radios. _Die Straße war übersät mit Pfützen. Irgendwann kamen große Walzen, der Asphalt und die schnellen Autos… die Maschinen, das Kino, das Fernsehen – und die Menschen waren fasziniert.
Seit ich jene Wandlung in meiner Kindheit erlebte, interessiert mich das Thema von Geschwindigkeit, Veränderung und Verlust. Es ist, als ob sich meine innere Uhr immer nach zwei verschiedenen Zeiten stellt und ich bin in beiden zugleich.
Als ich 10 Jahre alt war, sind wir in eine größere Stadt umgezogen. Die Zeit meiner früheren Kindheit ist wie eine Schablone in meiner Welt – mehr unbewusst als bewusst –, die sich immer wieder über die aktuelle Situation legt.
Es war irritierend, als ich vor zwanzig Jahren in Berlin am S-Bahnhof Zoologischer Garten stand und die Menschen mich geschubst haben, damit ich weitergehen sollte.
Da waren zwei Geschwindigkeiten aufeinandergestoßen. Ich musste eine neue Choreographie für das Handeln und Bewegen lernen.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2009 Mariana Vassileva Videos, Starkwhite Gallery, Auckland, New Zealand
2009 Index Glass, Galleri Image, Aarhus, Denmark
2009 Just a Game, DNA, Berlin, Germany
2008 Mariana Vassileva, Musée d’art Contemporain, Montréal, Canada

Ausgewählte Gruppenausstellungen
2010 Still Moving, The Israel Museum, Jerusalem, Israel
2009 Der Brief aus Jamaika, Oi Futuro, Rio de Janeiro, Brazil
2009 Transitland, Moscow Museum of Modern Art, Moscow, Russia
2009 Transistland. Videoarte de Europa Central y Oriental 1989 – 2009, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, Spain
2009 The Beauty of Distance. Songs of Survival in a Precarious Age, 17th Biennal of Sydney, Sydney, Australia

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