Simon Faithfull

Simon Faithfull, Rohkunstbau 2011

Die Poesie der geografischen Extreme

Simon Faithfull betrachtet den Globus als ein Objekt. Bewusst lotet er Grenzen aus, hinterfragt bestehende Naturgesetze, versucht, diese zu überwinden und in seine Arbeiten einzubauen. Er setzt sich selbst immer wieder extremen Bedingungen aus, um an seine eigenen Grenzen zu gehen: Auf einer zweimonatigen Antarktisexkursion fertigte er täglich Zeichnungen auf einem Palm Pilot an und machte daraus den Film „44“ als Dokumentation einer Reise der Extreme. Dabei ist für ihn immer der Weg das Ziel, so geht er in seier Videoarbeit „0°00 Navigation“ nur mit einem Kompass in der Hand quer durch England, egal ob durch Häuser oder über Zäune, er durchschwimmt Flüsse, um auf dem „Nullmeridian“ zu bleiben. In seiner Konzeptkunst setzt er sich mit allen Medien der bildenden Kunst auseinander, hinterfragt diese und wendet sie auf seine ganz eigene Art zur Umsetzung seiner Arbeiten an.

Für Rohkunstbau präsentiert Simon Faithfull sein neues Video „Going Nowhere“: Auf dem Grunde des Meeres bewegt sich langsam eine Gestalt. Schwer schreitet sie mit großen Schritten vorwärts – dazu erklingen leise Unterwassergeräusche, die live aus dem Schlänitzsee in das Turmzimmer von Schloss Marquardt übertragen werden. Eine Anspielung auf den Zwerg Alberich, der das Rheingold an sich nahm, nachdem er aus verschmähter Liebe dieser entsagte und aus dem Gold den „Ring des Nibelungen“ schmiedete, um das Volk der Nibelungen unterjochen zu können – und noch mehr Schätze anzuhäufen. Hier übernimmt der Künstler selbst die Position des nach Macht Strebenden – sein Ziel bleibt dem Betrachter jedoch verborgen, der lediglich sein Vorwärtsschreiten in den Tiefen des Meeres beobachten kann.

„Going Nowhere 2“ reiht sich in Simon Faithfulls Werk wie ein Missing Link ein. Nachdem „Escape Vehicle no.6“ den Blick auf die Erde vom Rande der erdlichen Atmosphäre aus lenkte und danach die lange Reise an den Südpol den Begriff von „Distanz“ neu definieren lies, gilt auch der Meeresboden durch seine Unbewohnbarkeit als unerschlossenes Territorium, das noch zu entdecken ist.

Von allen drei extremen geografischen Lagen ist der Meeresboden wahrscheinlich der dem Menschen unzugänglichste, weil sich fast alle für uns lebensnotwendigen Gegebenheiten umkehren – Atmung, Schwerkraft, Fortbewegung, Sicht und Geräusche: Nichts ist wie auf Erden und für eine einfache Expedition, die länger and eine Minute dauern soll, brauchen wir unzählige Hilfsmittel. Doch von denen ist nichts zu sehen in „Going Nowhere 2“, weder die Sauerstoffflasche noch Taucheranzug. Da geht einfach einer über den Meeresboden, als wäre es ziemlich normal.

In einem weiteren Raum präsentiert der Künstler seine Ideen unrealisierter Projekte, „10 Unrealized Proposals“: 11 Skizzen, eingepasst in die Täfelung des Raumes, regen den Betrachter selbst zum Denken an.

Ausgewählte Einzelausstellunge
2011     Going Nowhere, Simon Faithfull, Parker’s Box, New York, USA
2010     Simon Faithfull: Recent Findings, Harris Museum, Preston, UK
2009     Gravity Sucks, British Film Institute, London, UK
2008     Simon Faithfull – Video Works, Polaris, Paris, France

Ausgewählte Gruppenausstellunge
2010     Spatial City: An Architecture of Idealism, Hyde Park Art Center, Chicago, USA
             Unwetter, Akademie der Künste, Berlin, Germany
2009     Simon Faithfull & Carla Guagliardi – Schwerelos, Haus am Waldsee, Berlin, Germany
2008     no. it is opposition, Art Gallery of New York University, Canada
2007     New Forest Pavilion, 52nd Venice Biennale, Italy

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