Christoph Brech

Christoph Brech

Christoph Brech Rohkunstbau 2011

Mit seinen Videoarbeiten zeigt Christoph Brech neue Perspektiven in gewohnten Szenarien: Er filmt den Rücken eines Dirigenten „Opus 110a“, so dass nur der Faltenwurf seines Jacketts in Bewegung zur Musik zu sehen ist – oder er zeigt verzerrte Spiegelungen von Architekturen und Bäumen in seiner Arbeit „Punto“, für die er eine Kamera auf die Motorhaube seines Fiat Punto montiert hat, mit dem er durch Rom fährt. Seine Arbeiten verlangen stets eine Neuorientierung des Betrachters. Er macht das Unbewusste bewusst, das kaum Wahrnehmbare wird zum Bildinhalt, zum Mittelpunkt des Interesses. Dabei gelingt ihm eine Abstraktion des Gegenständlichen, die Verfremdung des Vertrauten, indem er bekannte Situationen ihrem Kontext entzieht. Begleitet von Geräuschen oder sphärischer Musik, die in seinen filmischen Arbeiten eine wichtige Position einnimmt, zeigt der Künstler dem Betrachter die Poesie des Alltags, die Sinnlichkeit des Augenblicks.

Seine Arbeiten wirken wie Tagträume, zugleich aber wie Wiedergänger, die den Raum ihrer Entstehung heimsuchen. Für Rohkunstbau zeigt Christoph Brech in seiner Arbeit „Il Ponte“ den Ponte alla Carraia in Florenz, auf dem ein stetes Treiben von Menschen und Autos zu beobachten ist. Dabei handelt es sich jedoch um eine Spiegelung der Brücke im Arno, gefilmt im Abendrot, die der Künstler um 180 Grad gedreht und als eigentliches Motiv für seinen Film verwendet hat. Zu Beginn des Videos verschmelzen Himmel und Fluss miteinander, lösen den Bildaufbau auf, erst später zeichnet sich die schwarze Silhouette der Brücke ab – musikalisch begleitet von düsteren Klängen aus Gustav Mahlers „Adagietto“. Unwillkürlich denkt man an die Gedichtzeilen von T.S. Eliot aus The Waste Land: „Unreal City, / Under the brown fog of a winter dawn, / A crowed flowed over London Bridge, so many, / I had not thought death had undone so many. / Sighs, short and infrequent, were exhaled, / And each man fixed his eyes before his feet.” *1

Doch Brechs poetische Bilder zeigen an dieser Stelle den Vorabend, kurz vor der Dämmerung, wie auch das Rheingold von Wagner als Vorabend in seiner Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ bezeichnet worden ist.

*1 Unwirkliche Stadt, / Im braunen Nebel eines Wintermorgens / Strömte die Menge über London Bridge, so viele, / Ich glaubte nicht, der Tod fälle so viele. / Sie stießen kurze, seltne Seufzer aus, / Und jeder heftete seinen Blick zu Boden. (Übersetzung: Norbert Hummelt)

Ausgewählte Einzelausstellungen
2010 Passagen, Museum Villa Stuck, Munich, Germany
2009 Break, ZeitHaus, Autostadt Wolfsburg, Germany 
2009 Seh-Stücke, Goethe Institute Taipei, Taiwan
2008 Portrait eines Orchesters, Stadtmuseum Munich, Germany

Ausgewählte Gruppenausstellunge
2011 Ritratti del Potere (Portraits and Power), Palazzo Strozzi, Florence, Italy
2010 Fast Forward 2, The Power of Motion, ZKM – Museum für neue Kunst, Karlsruhe, Germany 
2010 Mediterranean Biennale of Contemporary Art, Haifa, Israel
2009 Contemporary Outlook – Seeing Songs, Museum of Fine Art, Boston, USA 
2009 Mutations II – Moving Stills, Museum of Modern Art, Moscow, Russia

0 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Neuen Kommentar schreiben