Judy Millar

Judy Millar

Judy Millar Rohkunstbau 2011

Die malerischen Arbeiten Judy Millars haben starke architektonische Bezüge. Abstrakte Farbspuren schlängeln sich auf skulpturalen Papierbahnen durch die Ausstellungsarchitektur, deren Beschaffenheit wesentlichen Einfluss auf die Präsentation ihrer Arbeiten hat. Mit ihren großformatigen Farbschleifen bricht sie mit den Konventionen der Malerei und überschreitet die Grenze zur Skulptur. Es ist schwer, ihre Arbeiten als Ganzes zu erfassen, da sie keinen klassischen Bildaufbau mehr aufweisen, es fehlen vorgegebene Blickachsen, die Werke haben weder Anfang noch Ende, ihre Plastizität steht gleichberechtigt zum bildlichen Inhalt. Einen Kontrast hierzu bilden ihre aktuellen kleinformatigen Arbeiten: Düster, in monochromem Sepia, wachsen aus grob gespachteltem schwarzen Grund frei gekratzte Spuren die sich in kontrastiver Dynamik aus diesem zu befreien scheinen und sich zu abstrakten Formen aufbauen.

In den letzten Jahren hat Judy Millar mechanisch produzierte Vergrößerungen von ihr per Hand gemalter malerischer Gesten ausgestellt. Mit ihnen will sie unsere Erwartungen an den expressiven Gestus hinterfragen und ausloten, welche Wirksamkeit der Malerei im Rahmen der zeitgenössischen Kommunikationsmittel überhaupt noch zukommt. In diesen Werken hat sie den Akt des Malens ebenso sehr auf seinen innersten Kern zurückgeführt wie ihn vergrößert und verstärkt. Der ursprüngliche unmittelbare Schaffensakt der Künstlerin wird kraft der Übertragung ins digitale Abbild zeitgleich verdichtet und überhöht, ja geradezu aufgebauscht, indem die Zeichen der Malerin ins Überlebensgroße vergrößert werden, bis sie den Betrachter schier zu verschlingen drohen.

In ihren neuesten Arbeiten nimmt sich die Malerin die Rahmung der Gemälde vor und dreht und windet den „Bilder“rahmen, bis sich das Gemälde einen neuen Platz im Raum sichert. Auf diese Weise unterläuft die Künstlerin die Hierarchie des Bildes und seiner Hängung, was das Betrachten von Malerei neu vermittelt und verdichtet. Insgesamt ergibt sich dabei eine Komprimierung des malerischen Tuns, welche dem Impetus und der Prägnanz der uns schier omnipräsent umgebenden Werbung in nichts mehr nachsteht. Hierin zeigt sich der Wunsch von Judy Millar, die Malerei mit der gleichen Macht auszustatten, wie sie all den übrigen Bildern zu eigen ist, die uns tagtäglich auf den Leib rücken.

Für Rohkunstbau hat Judy Millar eine raumfüllende Skulptur entworfen, vom Fenster schlängelt sie sich in einer großen Welle zur Tür, wo sie als plane Leinwand endet. Abstrakte Farbspuren greifen die Dynamik auf und unterstreichen sie. Die Architektur und Grenzen des Raumes finden sich in der Skulptur wieder, sie füllt diesen aus – und löst ihn gleichzeitig auf. Assoziationen an Naturkatastrophen aus jüngster Vergangenheit werden hervorgerufen. Die Macht der Natur, die sich zurücknimmt, was der Mensch ihr über die Jahrtausende abgerungen hat, manifestiert sich hier in einer abstrakten Farbschleife, die wie eine monumentale  Woge durch den Raum gleitet, dessen Grenzen sie zu sprengen scheint. Ergänzt wird diese Arbeit durch ein abstraktes Gemälde im Nebenraum.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2011 Lucifer: Bring the Light!, Gow Langsford Gallery, Auckland, New Zealand
2010 A Better Life, Hamish Morrison Gallery, Berlin, Germany
2009 Giraffe-Bottle-Gun, New Zealand Pavilion, 3rd Venice Biennal, Italy
2005 I Will, Should, Can, Must May Would Like to Express, Auckland Art Gallery, Auckland, New Zealand

Ausgewählte Einzelausstellungen
2011 Personal Structures: Time-Space-Existence, 54th Venice Biennal, Italy
2008 Under the Sky: International Positions in Contemporary Art, White Space Beijing, Beijing, China
2004 IS/NZ, Kunstverein Kreis Ludwigsburg, Ludwigsburg, Germany
2002 Fragmente des Paradieses, Kunsthalle Palazzo, Liestal, Switzerland

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