Karin Sander

Karin Sander

Karin Sander Rohkunstbau 2011

Die Konzeptkünstlerin Karin Sander bezieht sich in ihren Arbeiten auf vorgegebene Räume oder Materialien. Dabei stellt sie den Schaffensprozess eines Werkes an sich in Frage. Der Begriff der Latenz spielt in ihrem Werk eine große Rolle: Die Künstlerin hat den Anspruch, dass ihre Arbeiten etwas vorher nicht Dagewesenes, Verborgenes zum Vorschein bringen, um den Betrachter in Erstaunen zu versetzen. Mit ihren „Gebrauchsbildern“, einer seit 1990 entstehenden Serie, veräußert sie weiß grundierte Leinwände. Diese werden von den Sammlern an selbst ausgesuchten Orten und für eine von ihnen bestimmt Zeit den vorgegebenen Verhältnissen ausgesetzt. Dadurch bekommt die Leinwand eine Patina, die als eigentliches Kunstwerk funktioniert. Den ursprünglichen Schaffensprozess führt die Künstlerin damit ad absurdum, erschafft dich die Kunst doch quasi selbst. Es entsteht ein Kreislauf, eine neue Notwendigkeit: Kunst wird nicht für den Betrachter erzeugt, sondern dieser selbst liefert die Basis, deren Ergebnis er dann wiederum betrachten kann.

Im Gartensaal des Schlosses hat Karin Sander die Zeichnung des Raumes in einen Quellcode verschlüsselt und seine Zahlencodierung als „XML-SVG CODE“ an die Wände des Raumes plakatiert. In gleichmäßiger Reihenfolge ziehen sich die Buchstaben und Zahlen über die Wände, sie wirken wie ein Muster. Zugrunde liegt die Idee, dass in einer architektonischen Zeichnung ein dreidimensionaler Raum ins Zweidimensionale übersetzt wird. Karin Sander kehrt diesen Effekt um. Wird ihr Code wieder entschlüsselt, erhält man das Volumen des Raumes als eine 3D-Skulptur – so verweisen die zunächst willkürlich erscheinenden Buchstaben und Zahlen auf ein ganz konkretes technisches Ergebnis, das dem Betrachter jedoch wie ein Rätsel erschient, fehlt ihm doch die Macht, dieses zu entschlüsseln.

Karin Sander über ihr Werk:
Architekturentwürfe werden heute mit Computerprogrammen erzeugt, und die Räume darin können durch Renderings in ihrer Kubatur simuliert werden. Meine Arbeit macht die zur Darstellung und Konstruktion des Ausstellungsraumes verwendeten Daten, die Wände des Gartensaals des Schlosses Marquardt in seinen Zahlen und Zeichensystemen als ausgeschriebenen Quellcode sichtbar. Damit wird die architektonische Innenform des Ausstellungsraumes als XML-SVG Code wiederum auf den Wänden des Ausstellungsraumes dargestellt, genau in den Zahlensystemen, die der Architektur beziehungsweise dem Raumvolumen zu Grunde liegen. Würde man all diese Zahlen des Quellcodes in das System eingeben, würde wieder der architektonische Körper als dreidimensionales Bild entstehen.
Für den Betrachter stellen die Zahlenreihen farbige Muster dar, die in ihrer lesbaren, jedoch verschlüsselten Sprache auf etwas sehr Konkretes verweisen, eine Zeichnung im Raum, die zugleich eine Zeichnung vom Raum ist.

Ausgewählte Einzelausstellungen
2011 Kunststation St. Peter, Cologne, Germany
2011 Kernbohrung n.b.k, Berlin, Germany
2010/11 Labor, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, Germany
2010 Gebrauchsbilder und andere, Kunstmuseum St. Gallen, Switzerland
2009/10 Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin, Germany

Ausgewählte Gruppenausstellungen
2010 The Space between Reference and Regret, Gallery Friedrich Petzel, New York, USA
2009 Provisions for the Future, 9th Sharjah Biennal, United Arab Emirates
2004 Singular Forms (Sometimes Repeated), Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA
1997 Skulptur, Projekte in Münster 1997, Munster, Germany

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