Wir Frauen vom Bau

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Wir Frauen vom BauWir Frauen vom Bau - Frauen im Bauwesen Brandenburgs 1949-1989 – Urheber/in: VEB Verlag für Bauwesen. All rights reserved.

Frauen im Bauwesen Brandenburgs 1949-1989
Ein Beitrag zur brandenburgischen Bau- und Frauengeschichte

Die Geschichte der Frauen in der Architektur dokumentiert für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem die berühmten Pionierinnen, wie z.B. Emilie Winkelmann oder Margarete Schütte-Lihotzky. Architektur und Bauwesen bleiben in Deutschland bis weit ins 20. Jahrhundert eine „Männerdomäne“. Im Bauwesen der DDR waren Frauen jedoch politisch gewollt: von der Kranführerin bis zur Ingenieurin, Planerin oder Architektin. Wie unterschieden sich dabei Vision und Alltag, wie haben Frauen in Brandenburg die Arbeit im Bauwesen erlebt? Was haben sie geplant, gebaut und dies unter welchen Bedingungen? Mit welchen Widerständen hatten sie zu kämpfen, wie veränderte sich der berufliche Alltag dieser Frauen nach der Wende? Wir haben uns auf eine erste Spurensuche begeben und damit den Weg bereitet für weitere baugeschichtliche und berufssoziologische Forschung. Gleichzeitig knüpft das Projekt mit einem Blick auf die aktuelle Situation und Perspektiven von Architektinnen, Planerinnen und Ingenieurinnen an die Gegenwart an.

Hintergrund: Die Geschichte der Frauen in der Architektur, die noch kaum ein Jahrhundert währt, ist bis heute im Wesentlichen bezüglich der Pionierinnen in Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsplanung dokumentiert. Während die Forschung zu den Bauhausschülerinnen und den berühmten Pionierinnen wie Margarete Schütte-Lihotzky und Lilly Reich seit den 1990er Jahren zunahm, sind die Werke und Biografien ihrer Nachfolgerinnen in der Wiederaufbauzeit bis hin zur Wende bislang kaum zugänglich – und dies umso weniger, wenn diese jenseits der größeren Städte tätig waren.

Die Zugänge zu den Architektinnen der DDR sind durch die Förderung der Frauen in technischen Berufen und der entsprechenden Dokumentation leichter als zu den Frauen in den alten Bundesländern, die Identifikation eigenständiger Arbeiten von Architektinnen gestaltet sich hingegen schwieriger. Die Haltung der Architektenschaft blieb gegenüber Frauen in der Profession bis Ende der 1960er Jahre kritisch. Im Rahmen der Kollektivierung des Bauwesens und der weitgehend staatlich geregelten Auftragsvergabe und Beschäftigungsstrukturen für Architekten ab Mitte der 1950er Jahre erlangten erst Ende der 1960er Jahre vereinzelt Frauen Leitungspositionen in der Architektur. Prominente Beispiele für einen solchen Werdegang sind Iris Grund als Stadtarchitektin in Neubrandenburg, Anita Bach als Professorin in Weimar und Dorothea Tscheschner im Städtebaukollektiv zur Gestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR. Eine am Beispiel von Iris Grund nachgewiesene These zu Professionalisierung und Werk von Architektinnen in der Wiederaufbauzeit in Ost- und West-Berlin ist jedoch, dass Architektinnen zu DDR-Zeiten die größeren Entfaltungsmöglichkeiten in den kleineren Städten der Bezirke hatten.

Der Versuch einer Bestandsaufnahme zu Werk und Biographien von im Brandenburger Bauwesen tätigen Frauen (was haben sie geplant, tatsächlich gebaut, welche beruflichen Bedingungen hatten sie?) stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierungsgeschichte von Architektinnen und auch zur Baugeschichte der DDR dar. Ebenso lässt sich vermutlich die veränderte Rolle der Frau im Beruf hier exemplarisch darstellen. Diese Bestandsaufnahme bedingt eine Spurensuche über die Fachliteratur, die Archive und die Berufsverbände zu den Akteurinnen, die neben ihren Werken die wichtigsten Zeuginnen der eigenen Geschichte sind.

Das Archiv des Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner verfügt über eine Sammlung der Aufnahmeanträge in den Bund der Architekten der DDR. Da die Antragstellerin ihren bzw. der Antragsteller seinen beruflichen Werdegang und die wichtigsten Arbeiten in diesem Antrag darstellen musste und in der Regel angegeben ist, in welchem Kollektiv sie oder er tätig war, sind diese Datenblätter eine wertvolle Quelle zu Werk und beruflicher Einbindung. Sie eröffnen gleichzeitig in vielen Fällen auch Zugang zu möglichen Ansprechpartnerinnen für in der berufssoziologischen wie biographischen Forschung methodisch relevante Interviews mit Zeitgenoss/innen aus dem unmittelbaren Umfeld der Person, deren Werk und Werdegang erforscht werden. Eine weitere Quelle für die Prüfung, inwieweit Frauen, deren Kollektive nicht in diesen Bezirken verortet waren, für Brandenburg tätig waren, ist die Fachzeitschrift „Architektur der DDR“, die elektronisch verschlagwortet im IRS zur Verfügung steht.

Das IRS, das sich bereit erklärt hat, mit seinem baugeschichtlichen Archiv das Projekt zu unterstützen, hat kurzfristig einen Datenauszug aus der obengenannten Sammlung nach den damaligen drei Bezirken erstellt. Den Aufnahmeanträgen zufolge waren im Bezirk Cottbus 75 Architektinnen und Landschaftsplanerinnen der Geburtsjahrgänge 1924-1961 tätig. Im Bezirk Potsdam lassen sich ebenfalls 75 Frauen nachweisen, die im Bauwesen tätig waren, der Geburtsjahrgänge 1912 – 1965. Im Bezirk Frankfurt/Oder wurden 71 Frauen der Geburtsjahrgänge 1912 – 1962 aufgenommen. Die Mehrheit dieser Frauen ist heute im Alter von 65 Jahren und jünger. Da in Deutschland Frauen der Zugang zum Architekturstudium erst seit 1905 in Dresden und seit 1908 in Berlin möglich war, zählen einige dieser Frauen zu den Pionieren unter den Architektinnen. Die Recherchen beschränken sich auf die Bearbeitung des Zeitraums von 1949 - 1989, bei den für eine individuelle Darstellung ausgewählten Architektinnen/Planerinnen oder Fachkräfte im Bauwesen wird dies durch ein „Blitzlicht“ zu Erfahrungen und Werdegang in der Nachwendezeit ergänzt.

Die Arbeitsschritte für die Bestandsaufnahme zu Biographie und Werk von Frauen im Bauwesen Brandenburgs zu DDR-Zeiten waren:

• Analyse der Sammlung der Aufnahmeanträge in den BdA der DDR
• Recherche in der neueren Literatur zur Baugeschichte der DDR sowie der Fachzeitschrift Architektur der DDR
• Expert/innengespräche
• Ermittlung der aktuellen Adressen
• Bewertung der Ergebnisse in Kooperation mit dem IRS
• Durchführung von Interviews
• Recherche zur Dokumentation der Werke
• Konzeption & Durchführung einer Fachtagung

Im Folgenden finden Sie die Inhalte der Tagung sowie einige Bilder.

“WIR FRAUEN VOM BAU”, Frauen im Bauwesen Brandenburgs 1949-1989 - Ein Beitrag zur brandenburgischen Bau- und Frauengeschichte

Biografische Forschung zu Architektinnen und Planerinnen - Lehren für Ausbildung und Berufspolitik?

Brandenburger Landschaftsarchitektinnen 1949-1990: Akteurinnen und Strukturen einer weiblichen Planungskultur? Versuch einer Spurensuche

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