Rechtsextreme Einstellungen in Berlin und Brandenburg

Rechtsextreme Einstellungen in Berlin und Brandenburg

Urheber/in: Florian Lehmuth. All rights reserved.

Ab wann kann jemand als rechtsextrem bezeichnet werden? Was bedeutet es, ein rechtsextremes Weltbild zu haben? Und wie viele Rechtsextremisten gibt es in Berlin-Brandenburg?

Diesen Fragen geht Prof. Dr. Oskar Niedermayer in seinen Bevölkerungsumfragen nach. Dafür wurden im März und April 2008 2000 Menschen aus Berlin und Brandenburg ab 14 Jahren telefonisch befragt, wie stark sie rechtsextremen Aussagen zustimmen. Die Studie geht darauf ein, welche Dimensionen eines rechtsextremen Weltbildes bestehen und wie diese gemessen werden.

Im Allgemeinen ist in Brandenburg rechtsextremes Gedankengut weit verbreiteter als in Berlin. Der Aussage „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder zurück in ihre Heimat schicken“ (Dimension Ausländerfeindlichkeit), stimmen 30 % der Brandenburger und nur 16 % der Berliner zu. Die höchste Zustimmung erhält die Dimension Chauvinismus. 33 % der Brandenburger und 24 % der Berliner halten die Aussage „Andere Völker mögen Wichtiges vollbracht haben, an deutsche Leistungen reicht das aber nicht heran“ für richtig. Die Dimension des Sozialdarwinismus wurde mit der Aussage „Es gibt wertvolles und unwertes Leben“ abgefragt. Hier stimmten 25 % der Brandenburger und 19 % der Berliner zu. Die geringste Zustimmung erfährt die Dimension des Antisemitismus. Hier sind immerhin 14 % der Brandenburger und 10 % der Berliner der Meinung, dass „der Einfluss der Juden auch heute noch zu groß sei“. Gefragt wurde auch nach der Verharmlosung des Nationalsozialismus („Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten“) und nach dem Befürworten der Diktatur („Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“). Dem ersteren stimmten 18 % der Brandenburger und 15 % der Berliner zu, dem zweiten 17 % der Brandenburger und 12 % der Berliner.

Im Vergleich zur gesamten Bundesrepublik (10 %) ist Rechtsextremismus in Brandenburg mit 11 % ähnlich hoch verbreitet. Allerdings sind die berlinfernen Regionen (12 %) stärker betroffen als der so genannte Speckgürtel (9 %). Über das geringste Rechtsextremismus-Potenzial verfügt Berlin-West mit 6 %, Berlin-Ost erreicht 8 %. Das Rechtsextremismuspotenzial zwischen weiblichen und männlichen Bürgern unterscheidet sich nicht. Lediglich der Bildungsabschluss hat maßgeblich Einfluss auf das Rechtsextremismus-Potential: Je höher das Bildungsniveau, desto geringer ist das Potential, sich rechtsextremistischem Gedankengut anzuschließen. Auch das Alter erweist sich als interessanter Einflussfaktor. Am stärksten betroffen sind die 14 bis 17-Jährigen (11 %) und die ab 75-Jährigen (21 %). Die Zustimmung der Befragten zu den vorgestellten Aussagen ergibt in der so genannten Rechtsextremismus-Skala einen Wertebereich von 6 bis 24 Punkten. Je höher die Zustimmung, desto höher die Punktzahl. Befragte, die einen Wert von 15 und mehr erreichen, gelten als Rechtsextremisten.

Niedermayer ist Leiter des am Otto-Suhr-Institut angesiedelten Otto-Stammer-Zentrums, wo er u.a. zum Politischen System in Deutschland, zur politischen Soziologie und zu Europafragen forscht. Seit 2000 beschäftigt sich Niedermayer zusammen mit Richard Stöss mit rechtsextremen Einstellungen in Berlin und Brandenburg. Zusammen fragen sie nach der Anzahl Rechtsextremer in Berlin-Brandenburg.

Tipps zum Weiterlesen finden Sie hier:

Rechtsextreme Einstellungen in Berlin und Brandenburg 2000 - 2008 sowie in Gesamtdeutschland 2005 und 2008, Handout für die Pressekonferenz der Deutschen Paul Lazarsfeld-Gesellschaft und des Otto-Stammer-Zentrums an der Freien Universität Berlin am 25. September 2008

Powerpoint-Präsentation zur Studie

Buchaufsatz: Rechtsextreme Einstellungen in Brandenburg, in: Rechtsextremismus in Brandenburg / Hrsg. J.H. Schoeps; G. Botsch; Ch. Kopke; L. Rensmann – Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg, 2007, S. 47-58 (zus. mit R. Stöss)