„Das Buch gegen Nazis“. Ein Abend mit Toralf Staud

„Das Buch gegen Nazis“. Ein Abend mit Toralf Staud

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Im Grunde ist es ganz einfach und dennoch so schwer zu kapieren: Nazis glauben, dass nicht alle Menschen gleich und frei sind. Sie gehen davon aus, dass gebürtige Deutsche Etabliertenrechte innehaben, die gegen Fremde zu verteidigen sind. Rechtsextremismus vereint Ideologien, die auf dieser Vorstellung von Ungleichwertigkeit beruhen. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung geben regelmäßig rechtsextremes Gedankengut von sich, schätzt Journalist Toralf Staud. Um diesem Trend etwas entgegenzusetzen, lohnt es sich, genauer nachzufragen und wirksame Rezepte zu entwickeln. Wo beginnt Rassismus? Was ist Rechtsextremismus? Welches Menschenbild hat die NPD?

Solchen und anderen Fragen geht Toralf Staud in seinem „Buch gegen Nazis“ nach und gibt praktische Tipps und Hinweise, wie man z.B. mit Kindern über Nazis sprechen könnte oder was zu tun ist, wenn ein Kollege rechte Sprüche macht. Dabei gibt es kein allgemeingültiges Rezept, das Wunder gegen Rechts bewirken kann, sondern vielmehr die notwendige Freiheit, sich zu vernetzen.
Die Idee, die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umgang mit Rechtsextremismus in Buchform zu veröffentlichen, entstand nach dem Vorbild der Internetplattform „Netz gegen Nazis“, auf der sich bereits viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen austauschten.

Auf die Fragen, welches Menschenbild die NPD hat und wie es Nazis gelingt sich in der  Gesellschaft breit zu machen, antwortet Staud, dass die gefährlichen Ideen, die der NPD zugrunde liegen, durch Flugblätter und Wahlplakate verschleiert und erst beim genaueren Blick ins Grundsatzprogramm ersichtlich werden. Die Würde des Menschen ist hier nicht an die menschliche Existenz an sich gebunden, sondern die Grundlage für die Würde des Menschen bilden Volkstum und Kultur. Diese Aussage öffnet Tor und Tür, Menschen aufgrund ihrer Kultur zu diskriminieren. Weiterhin stellt Staud fest, dass Neonazis sich zunehmend in der Gesellschaft verankern, in dem sie z.B. die Freiwillige Feuerwehr unterwandern. Die Mitglieder erarbeiten sich in Vereinen zunächst angesehene Positionen, um sich dann als Nazi zu outen.    

Nach der kurzen Lesung gab es für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Es wurde erläutert, dass die NPD von einem Ethnopluralismus ausgeht, demzufolge jedes Volk eine originäre Kultur in einem angestammten Territorium besitzt. Eine Mischung dieser Kulturen lehnen die Nazis ab. Weiterhin ist festzustellen, dass im Osten Deutschlands rechte Einstellungen verbreiteter sind als im Westen, was damit zu tun haben könnte, dass in der DDR weniger Erfahrungen mit Demokratie und Toleranz gemacht werden konnten und es weniger Kontakt zu Migranten in der Bevölkerung gab.

Auf einer praktischen Ebene wurde diskutiert, ob man Jugendliche mit Thor-Steinar-Bekleidung z.B. aus dem Jugendclub ausschließen sollte, so lange sie diese nicht ablegen, was Staud befürwortete. Er wies auch darauf hin, dass Rechtsextremismus kein Jugendphänomen, sondern in allen Altersgruppen zu finden ist, sich die Jugend durch Gewalttaten jedoch abzugrenzen sucht. Es wurde auch die Frage gestellt, wie man in der Schule damit umgehen könne, wenn sich beim Thema „Das Tagebuch der Anne Frank“ ein Mitschüler weigert, das Buch zu lesen. Ein anderer Besucher stellte die Frage, wie man Handlungsressourcen in einer dörflichen Gemeinschaft aktivieren könnte.

Den Abend beschließt Staud mit seiner auf Recherchereisen gemachten Beobachtung, dass in dörflichen und kleinstädtischen Gemeinschaften nicht der Nazi der Böse ist, sondern derjenige, der sich dagegen wehrt.

Weiterführende Links und Materialien:

Was tun gegen Rechtsextremismus? 
Das Buch gegen Nazis im Internet
Netz gegen Nazis
Handreichung: Gemeinsam handeln! Für Demokratie in unserem Gemeinwesen. Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Rechtsextremismus im ländlichen Raum (pdf)