Was will der nette Nazi von nebenan?

Was will der nette Nazi von nebenan?

Urheber/in: Roland Buzzi. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Das Klischee vom rechten Schläger in Bomberjacke und Springerstiefeln stimmt schon lange nicht mehr. Längst sitzen Rechtsextreme im Anzug in den Landtagen oder tragen Che-Guevara-T-Shirts. Genauso wie ihr äußeres Erscheinungsbild haben sich auch ihre politischen Strategien verändert. Wer immer noch vom gewaltbereiten, wenig intellektuellen Hooligan ausgeht, unterschätzt die rechte Szene. Denn inzwischen sind viele Rechtsextreme politisch geschult und wissen, wie sie in der Öffentlichkeit auftreten müssen, um Zustimmung zu gewinnen.

Gerade in ländlichen Regionen treten Rechte gezielt als freundliche, hilfsbereite NachbarInnen auf. Sie übernehmen Ehrenämter, engagieren sich in Vereinen oder in der Jugendarbeit. Die NPD kämpft auf diese Weise um Stimmen: Wer als sympathisch gilt, wird gewählt – oft unabhängig vom Parteibuch. Sie beschäftigt sich deshalb gezielt mit sozial- und lokalpolitischen Themen, die die WählerInnen ansprechen. Hinter dem vorgeblichen Kampf für höhere Renten, gegen Lohndumping oder für höhere Strafen für SexualstraftäterInnen steht jedoch das Ziel, eine rassistische und streng hierarchisch gegliederte Gesellschaftsform einzuführen.

Um Zustimmung kämpfen NPD und andere rechte Gruppierungen auch auf der kulturellen Ebene. Rechtsextreme Jugendgruppen kopieren die Stile verschiedener Subkulturen: Autonome Nationalisten treten auf wie Antifa-Mitglieder, rechte Bands machen HipHop, Elektropop oder imitieren linke LiedermacherInnen. Rechte Organisationen bieten Kinderferienlager an und veranstalten Dorffeste. In Regionen ohne andere Subkulturen und mit geringem kulturellem Angeboten üben solche Angebote auf Jugendliche eine große Anziehungskraft aus.

Wie soll man aber mit diesen „netten Nazis“ umgehen? Was tun, wenn der Elternsprecher, die Vereinsvorsitzende oder der Fußballtrainer rechtsextreme Positionen vertreten oder sogar NPD-Mitglieder sind? Welche Erscheinungsformen Rechtsextremismus heute haben kann, welche Ziele moderne Nazis verfolgen und was man dem entgegen setzen kann, wird u.a. im Zuge von Veranstaltungen im Rahmen der „Cafés de la Tolerance“ des Projekts SPACES diskutiert. Im Anschluss an einen Einführungsvortrag bieten die Abendveranstaltungen Raum für Diskussionen und Austausch. Bisher haben Diskussionen zu dem Thema „Was will der nette Nazi von nebenan?“ mit den Journalisten Olaf Sundermeyer und Andreas Speit und mit Dr. Dierk Borstel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, stattgefunden.

Weiterführende Links und Materialien:

Andrea Röpke / Andreas Speit – Neonazis in Nadelstreifen

Homepage Olaf Sundermeyer

Homepage Dr. Dierk Borstel

Netz gegen Nazis

Mut gegen rechte Gewalt

Handreichung "Gemeinsam handeln: Für Demokratie in unserem Gemeinwesen!" der Akademie für Sozialpädagogik und Sozialarbeit e.V. und Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement

"Schwarze Geister, Neue Nazis", Rainer Fromm

"Argumente gegen rechtsextreme Vorurteile", Wolfgang Benz

Jugendschutz.net

 Online Beratung gegen Rechtsextremismus