Frauen in der rechtsextremen Szene

Frauen in der rechtsextremen Szene

Frauen in die Küche? Auch in der rechten Szene übernehmen Frauen zunehmend führende RollenFrauen in die Küche? Auch in der rechten Szene übernehmen Frauen zunehmend führende Rollen – Urheber/in: Gushi Soda. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Frauen sind in der rechten Szene keine Seltenheit. Sie sind allerdings häufig im Hintergrund tätig, so dass man ihren unmittelbaren Einfluss und ihre Funktion nicht immer sofort einschätzen kann. Nicht nur in den letzten Jahren ist das Engagement  von Frauen für die rechte Szene von großer Bedeutung. Bereits kurz nach 1945 haben einige Frauen begonnen, vermeintlich zerrüttete Strukturen rechtsextremer Organisationen wieder aufzubauen. So wurde die seit 1994 verbotene Wiking-Jugend maßgeblich von Frauen aufgebaut und geleitet.

Wichtige weibliche Persönlichkeiten für die Szene nach 1945 waren vor allem Gudrun Burwitz und Florie Rost van Tonningen. Burwitz, die einzige Tochter von Heinrich Himmler, engagierte sich insbesondere für die „Stille Hilfe“, eine Organisation, die NS-Täter unterstützt. Die inzwischen verstorbene van Tonningen war eine Leitfigur der Rechtsextremen in Europa und mit einem der einflussreichsten Männer der nationalsozialistischen Bewegung der Niederlande, Meinuod Rost van Tonningen, verheiratet. Ihre lebenslange Bindung zum Nationalsozialismus zeigte sich unter anderem darin, dass Heinrich Himmler ihr Trauzeuge war und sie anlässlich des 100. Geburtstags von Adolf Hitler Feierlichkeiten in ihrer Villa ausrichtete.

Heutzutage agieren viele rechte Frauen im Hintergrund, jedoch sind ihre Einstellungen nicht weniger radikal als die der Männer. Sie verbreiten rechtsextreme Einstellungen und nutzen dafür vor allem soziale Verbindungen. Indem sie als Kindergärtnerinnen und Sanitäterinnen tätig sind oder in Musikgruppen spielen, werden sie als hilfsbereite Frauen wahrgenommen und können dadurch ihre menschenfeindlichen Ansichten subtil verbreiten.

Die NPD setzt in jüngster Zeit bei Wahlkämpfen verstärkt Frauen ein, da sie weniger bedrohlich wirken als rechtsextreme Männer und weitere Zielgruppen erreichen. Anhand ihres Äußeren sind sie weiterhin oftmals schwieriger der Szene zuzuordnen als ihre männlichen Kameraden. Zudem ist es für die rechte Szene wichtig, Frauen einzubinden, da diese der häufigste Grund für Männer sind, aus der rechtsextremen Szene auszutreten.

Trotz des verstärkten öffentlichen Auftretens von Frauen in der rechten Szene stoßen sie häufig auf Skepsis und Gegenwehr bei rechtsextremen Männern. Es wird erwartet, dass sie nicht zu emanzipiert auftreten, sondern sich sozial und national im Hintergrund präsentieren. Zu den wichtigsten Zielen der NPD und des Rings Nationaler Frauen zählen die Wahrung eines traditionellen Familien- und Frauenbildes, eine verstärkte Anerkennung von Müttern in der Gesellschaft sowie die Schaffung einer nationalen Gegenkultur. Diese begründet sich insbesondere auch auf der Berufung auf heidnische und germanische Brauchtümer, die sich deutlich gegenüber dem Christentum abgrenzen.

Die Kindererziehung erfolgt in der Szene entgegen dem Zeitgeist; Kinderkrippen, gleichgeschlechtliche Ehen und Feminismus werden abgelehnt. Bei einigen Themen, wie bei dem Thema Abtreibung, herrscht kein Konsens. Bei der Namenswahl für Neugeborene wird in rechtsextremen Familien oftmals darauf geachtet, dass die Namen ihren Ursprung im germanischen Sprachraum haben. Außerdem existieren zahlreiche Kinderbücher und Filme mit antisemitischen Inhalten zur gezielten Schulung von Kindern.

Derzeitige weibliche Mitglieder in Brandenburg für die NPD sind Irmgard Hack in der Uckermark, Stella Hähnel im Dahmeland und Lore Lierse im Landkreis Oberhavel. Dabei ist insbesondere Hähnel nicht nur als NPD-Vorsitzende tätig, sondern auch Mitherausgeberin der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme", sowie Mitbegründerin des Ring Nationaler Frauen.

Weitere Informationen zu Frauen in der rechtsextremen Szene können Sie in dem Buch "Mädelsache! Frauen in der Neonazi-Szene" von Andrea Röpke und Andreas Speit nachlesen, das 2011 im Ch.Links Verlag erschienen ist.