Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit

Beispiel für islamfeindliche Parolen von Rechtsextremisten (2008)Beispiel für islamfeindliche Parolen von Rechtsextremisten (2008). Urheber/in: Jasper Goslicki. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Rassismus hat viele Spielarten. Diskriminierende Einstellungen finden sich nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft, sondern sind auch immer wieder Bestandteil öffentlicher Debatten. Von offener Gewalt wie dem Mord an Marwa El-Sherbini 2009 in einem Dresdener Gerichtssaal bis hin zu verallgemeinernden, ablehnenden Aussagen über "die" MuslimInnen, reichen die Erscheinungsformen islamfeindlicher Einstellungen und Taten.

Die Debatte um das 2010 erschienene Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin hat verdeutlicht, wie anschlussfähig diese Form des kulturellen Rassismus ist, eines Rassismus, der „kulturelle“ statt „ethnischer“ Unterschiede konstruiert und diese mit bestimmten Eigenschaften versieht. Dabei ist die Feindschaft gegenüber MuslimInnen gesellschaftsfähig geworden.

Ein Kennzeichen von islamfeindlichen Einstellungen ist die Verknüpfung von Religionskritik mit generalisierenden Aussagen über (vermeintliche) Angehörige dieser Religionsgemeinschaft. MuslimInnen werden negative Eigenschaften wie Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Gewaltbereitschaft, mangelnde Bildung und geringe Integrationsbereitschaft unterstellt. Die islamische Religion und MuslimInnen werden so für gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht. Verbunden mit einem Plädoyer für Menschenrechte wird eine als „anders“ definierte Gruppe ausgegrenzt. Im Gegensatz zu anderen Formen des Rassismus wird Islamfeindlichkeit offen geäußert – oft versteckt hinter Kritik am Islamismus. Für Differenzierungen ist da kein Platz: Menschen mit biografischen Bezügen zu mehrheitlich muslimischen Ländern werden als „MuslimInnen“ gesehen – auch der christliche Syrer, die atheistische Türkin. Und die Pauschalisierung geht noch weiter: Nicht selten werden MuslimInnen mit IslamistInnen gleichgesetzt, wird die Ursache von Terrorismus in den Wurzeln „des Islam“ gesehen.

Eine 2009 veröffentlichte Studie der Universität Münster über fünf europäische Länder ergab, dass 70 Prozent der Bevölkerung in den untersuchten Ländern beim Stichwort Islam zunächst an Fanatismus denken, 80 Prozent verbinden mit dem Islam vor allem die Unterdrückung der Frau. Und in Deutschland ist die generelle Ablehnung von MuslimInnen noch weiter verbreitet als in den Nachbarländern: Nur 34 Prozent der Westdeutschen und 16 Prozent der Ostdeutschen denken positiv über MuslimInnen – in den Niederlanden sind es 62 Prozent. Der Heitmeyer-Report zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ ergab ein ähnliches Bild.

Da es sich bei Islamfeindlichkeit nicht um Religionskritik, sondern um Rassismus handelt, muss zwischen der Debatte um den Islam als Religion und der Diskussion über islamfeindliche Einstellungen klar unterschieden werden. Die Sensibilisierung für eigene und gesellschaftliche rassistische Einstellungen ist dabei eine der Voraussetzungen, um solche Einstellungen zu bekämpfen.

 

Weitere Informationen:

Muslimisches Leben in Deutschland. Forschungsbericht im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz

Religionsmonitor 2008. Muslimische Religiosität in Deutschland

„Deutsche sind viel weniger tolerant gegenüber Muslimen“
Umfrage zu religiöser Vielfalt in Europa zeigt integrationspolitisch brisante Ergebnisse

Reflektieren. Erkennen. Verändern. Was tun gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?

Was tun gegen "Islamophobie"? Feindschaft gegenüber Muslimen und die Schwierigkeiten emanzipatorischer Antworten - Ismail Küpeli in ak - analyse & kritik

Das Islambild in Deutschland. Zum öffentlichen Umgang mit der Angst vor dem Islam. von Heiner Bielefeldt

Hilal Sezgin – Kopftuchfrauen