Neue Nazis – Wie verändert sich die rechte Szene?

Neue Nazis – Wie verändert sich die rechte Szene?

Gerade das Auffliegen der rechtsterroristischen Gruppe NSU machte deutlich, dass die rechte Szene in den vergangenen Jahren erstarkt ist und sich ausdifferenziert hat. Das Bild eines Rechtsextremen mit Springerstiefeln und Bomberjacke ist nur eine Erscheinungsform. „Neue Nazis“ verstehen es, gesellschaftliche Trends und Stimmungen für sich zu nutzen. In seinem Buch „Neue Nazis“ beleuchtet Toralf Staud die Entwicklungen der rechten Szene auch jenseits der NPD. Staud arbeitet als freier Journalist und Autor. Er war leitender Redakteur beim Portal „netz-gegen-nazis.de“ und Politikredakteur der ZEIT. Im Dezember 2012 brachte er zusammen mit Johannes Radke das Buch „Neue Nazis. Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts“ heraus. Bei der Mittwochsgesellschaft sprach er vor diesem Hintergrund über die aktuellen Strömungen in der rechten Szene. Er beschrieb zuerst, dass der NSU keine „neue“ Erscheinungsform darstellt, sondern dass sich hier eher rechtsextreme Stereotype und Verhaltensweisen der 90er Jahre und der Skinhead Bewegung wiederfinden. Als verbreiteter und erfolgreicher schätzt er die gewaltbereiten „Autonomen Nationalisten“ ein, die besonders Jugendliche anziehen. Hier werden jugendsubkulturelle Elemente wie Hip Hop Musik, Sprache und Kleidunsgstil zugelassen, die vor einiger Zeit noch nicht in der Szene geduldet wurde. Hierin sieht er auch die große Attraktivität für Jugendliche und die Gefahr dieser Strömung, da Rechtsextreme so nicht mehr rein äußerlich zu erkennen sind. Ebenso ging Staud auf die zunehmende Ausbreitung der sogenannten Pro-Bewegung ein, die sich durch islamophobe und rechtspopulistische Gesinnung auszeichnet. Sie geben sich gern konservativ und versuchen besonders Einfluss und Anknüpfungspunkte in der bürgerlichen Mitte zu finden. Ebenfalls ging Staud auf die Spezifik der Entwicklung der rechtsextremen Szene in Brandenburg und Ostdeutschland ein, die in der besonderen Situation und dem gesellschaftlichen Klima in den Nachwende Jahren der frühen 90er zu finden sei. Er machte darauf aufmerksam, dass in der rechten Szene Verbote bislang immer zu „Modernisierung und Ausdifferenzierung der Szene“ geführt hätten und betonte gleichzeitig, dass dementgegen eine gesellschaftliche Ausgrenzung und Stigmatisierung rechtsextremen Gedankenguts eine „Normalisierung des Neonazismus“ verhindern müsste.   

Für das Publikum stellte sich die Frage, wie es den Rechtsextremen gelingt, sich fremdenfeindliche Vorurteile nutzbar zu machen und damit gesellschaftsfähig zu werden. Besonders die Attraktivität der rechtsextremen Ideologie für Jugendliche wurde intensiv diskutiert. Staud erläuterte, dass es im Kern gerade das Identifikationsangebot der rechtsextremen Ideologie mit der Zugehörigkeit zu einer „herrschenden Rasse“ den Jugendlichen Orientierung gibt. An dieser Stelle wurde auch die Rolle der Jugendarbeit kjritisch hinterfragt, einfach nur ein Angebot für alternative „Identifikationsangebote“ würden nicht reichen. Es sollte darum gehen Jugendliche darin zu bestärken sich selbst zu organisieren und ihnen Freiräume zur Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Staud argumentierte, dass die Identität ein zentrales Merkmal bleibt, dass abseits der „Bio-Identität“ erzeugt werden sollte. Es wurde darüber diskutiert, inwiefern dieser Freiraum zur Selbstorganisation von Jugendlichen in Potsdam und Brandenburg zur Verfügung steht und es wurde angeregt hierzu eine weitere Veranstaltung in die Wege zu leiten.

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