Marcel Bühler

Marcel Bühler

Marcel Bühler Rohkunstbau 2013

Marcel Bühler setzt sich in seinen Arbeiten kritisch mit seinem eigenen Genre, der Kunst, auseinander. Er hinterfragt die Funktionen und Abläufe des Kunstmarktes, betrachtet und analysiert eigene Arbeitsprozesse sowie die anderer Kunstschaffender. In seinem Werk findet sich keine Stringenz der Stilmittel — ob in Lichtinstallationen, Skulpturen oder Collagen — Marcel Bühler zeigt immer wieder kritische Statements. Seine Lichtinstallationen leuchten bunt wie Jahrmarktsschilder, doch »Art Sucks« oder »Paradise Lost« negieren die lustig bunten Glühbirnen, die den Schriftzug bilden, und zeigen die ironische Kritik am Medium Kunst. Selbst Künstler, degradiert er damit auf ironische Weise sein Arbeitsfeld, sowie den Markt, der ihm seine Lebensgrundlage sichert: ohne Künstler gäbe es keinen Kunstmarkt, ohne den Markt könnte heute keine Künstler überleben — sie bedingen sich gegenseitig.

Für Rohkunstbau hat der Künstler mehrere Arbeiten entworfen, die sich immer wieder auf Zitate bekannter Philosophen und Moralisten beziehen: Macchiavelli (»The One Trick Pony«), Michel de Certeau oder Jean Ziegler. Die Arbeit »No money no friend« (gleichzeitig Zitat des Buchcovers »Afrika, die neue Kolonisation« von Jean Ziegler) spiegelt ironisch die Situation des letzten Rohkunstbau wieder. Der Künstler verwendete die Reste der Materialien, die er für die eigentlich 2012 stattfindende Ausstellung eingeplant hatte.

Auge in Auge«*1 oder »Das, was niemals dir gehört«*2
»Ich mag das Wort glauben. Ich denke im Allgemeinen, wenn die Leute sagen ich weiß, dann wissen sie nicht, sie glauben.«*3
»Das Zitat ist [...] die absolute Waffe des Glaubenmachens. Denn es spielt mit dem, was der andere angeblich glaubt; es ist somit das Mittel, durch das sich etwas Reales bildet. Indem man den anderen also zugunsten des Realen zitiert, macht man die [Bilder] glaubwürdig, die an einem bestimmten Ort [zu einer bestimmten Zeit][zu einem bestimmten Zweck] produziert worden sind.«*4
»Ich sage nie mehr, was ich glaube, und glaube nie mehr, was ich sage, und wenn mir doch einmal ein wahres Wort entschlüpft, verstecke ich es gleich hinter soviel Lügen, dass es nicht wieder zu finden ist.«*5
»Vielleicht bin ich nur ein Auge [...] in der Luft gehalten von einer mir unbekannten Kraft. Ein Auge mit verbranntem Lid.«*6
*1. Roland Barthes, Unveröffentlicht, 1977. In: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn, dt 1990.
*2. Robert Pfaller, Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur, 2008.
*3. Marcel Duchamp im Gespräch mit JJ. Sweeney, 1956.
*4. Michel de Certeau, Kunst des Handelns, 1988.
*5. Machiavelli in einem Brief an Francesco Guicciardini.
*6. Heiner Müller: Die Einsamkeit des Films, 1982.
Zitatschnitt/ Composition of citations: Jana Seehusen, Juli 2013

Einzelausstellungen (Auswahl)
2012 Kosmos, Galerie Andrae Kaufmann, Berlin, Germany
2011 art sucks, ATELIERFRANKFURT, Frankfurt am Main, Germany
2010 Tristesse Bourgeoise, Nolde Stiftung, Berlin, Germany
2009 Die halbe Reise, Cream Contemporary, Berlin, Germany
2003 Kunstverein Schwerin, Germany

Gruppenausstellungen (Auswahl)
2012 Spiegelkabinette, Galerie der Künstler, Munich, Germany
2012 Heterotopolis, by Marko Ciciliani (Konzeption, Komposition) and Marcel Bühler (Konzeption, Laser show). World premiere at the centre for Kunst und Medientechnologie (ZKM), Karlsruhe, Germany
2011 Skulpturentriennale Bingen, Bingen am Rhein, Germany
2010 15 Jahre Villa Aurora, Akademie der Künste, Berlin, Germany
2010 the mistake, Essays and Observations, Berlin, Deutschland
2009 Antirepresentationalism: II: Trouble with Realism, KOW, Berlin, Germany

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