Freiräume gestalten. Jugendengagement in Potsdam und Brandenburg

Freiräume gestalten. Jugendengagement in Potsdam und Brandenburg

In Brandenburg leben knapp 289.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren, was nur etwa 11,5 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Im Zuge des viel diskutierten demografischen Wandels wird meist betrachtet, wie der Umgang mit der alternden Bevölkerung gestaltet werden kann. Dabei wird das Potenzial einer engagierten Jugend vernachlässigt. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre die Förderung von (gesellschafts-)politischem Engagement unter Jugendlichen, um diese zu befähigen, ihre eigene Lebenswelt zu verbessern und für die aktive Gestaltung der Gesellschaft einzutreten. Jugendliche brauchen Freiräume, um sich ernst genommen zu fühlen und ihre Fähigkeiten und Interessen zu entwickeln. Zusammen mit Dirk Harder und Claudia Günther sprachen wir über die Alltagswelt von Jugendlichen und über Faktoren, die das (politische) Engagement bei Jugendlichen fördern und entwickeln. Dirk Harder ist mit „Cultus UG“ Träger des selbstverwalteten Kulturzentrums „freiLand“ in Potsdam, das Jugendlichen den Raum für eigene Ideen und Projektentwicklung gibt. Claudia Günther ist seit vielen Jahren die Jugendbildungsreferentin der NAJU Brandenburg.

 

Auf die Frage woher das Engagement bei Jugendlichen kommt, antworteten die Referent/innen mit der Möglichkeit Freiräume für das eigene Arbeiten und Entwickeln zu erhalten. Dabei geht es auch um die Anerkennung des Eigenengagements.  Freiraum bedeutet laut der beiden Referent/in, dass Jugendliche Themen und Inhalte selbst  organisieren und von Kommunen und Behörden vor allem Zeit und Raum gestellt bekommen. Dies wären die Grundvoraussetzungen für  moderne Jugendarbeit. Die Aufgabe von Trägern und der Politik sei es die Rahmenbedingungen zu entwickeln, sodass Jugendliche selbst Gestaltungskonzepte und demokratische Spielregeln umzusetzen. Die Lebenswelt der Jugendlichen sei heute im Vergleich zu vor 20 Jahren von sozialen Netzwerken, von Schnelllebigkeit und vor allem von Mitgliedschaften auf mehreren Ebenen geprägt. Starres Pfeilerdenken der Politik stimme oftmals nicht mit der Lebenswelt der Jugendlichen überein. In der Diskussion interessierte die Teilnehmer/innen auch die Situation der Jugendarbeit in Potsdam. Herr Harder erläuterter, dass finanzielle Kürzungen von Förderung für Jugendarbeit verheerend sei. Was gebraucht wird seien Personalstellen vor reiner Sachkostenfinanzierung, In Potsdam zeige aber auch die Einrichtung eines Jugendkulturfonds, dass die Kommunen durchaus auch reagieren können. Auf die Frage hin, was sich den ändern müsse um Jugendengagement langfristig zu stärken und zu fördern ist  ein Perspektivenwechsel der politischen Entscheidungsträger gegenüber den Jugendlichen. Sie sind nicht als „Störenfriede“ anzusehen, sondern Politik muss Vertrauen in Jugendliche setzen und Räume für deren Engagement bereitstellen.

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