Jugendwelten - Anforderungen an eine zeitgemäße Jugendarbeit in Brandenburg

Die heutige Jugend sieht sich vor große gesellschaftliche Herausforderungen gestellt. Nicht nur werden durch die europaweite Krise die Perspektiven der Jugendlichen teilweise verschlechtert, auch durch unstetere Berufsverläufe und gesellschaftliche Wandlungen unterscheidet sich die heutige Jugend von ihren Vorgänger/innen. Dabei geht ein Großteil der Jugendlichen pragmatisch und mit einer optimistischen Grundhaltung mit den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen um, so lautet zumindest das Fazit der Shell-Jugendstudie von 2010. Gleichzeitig driften jedoch auch die Lebenswelten der Jugend auseinander und eine soziale Kluft verfestigt sich – denn Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen teilen seltener den Bewältigungsoptimismus der gut situierten Gleichaltrigen. Der Jugendforscher Prof. Dr. Titus Simon stellte die zentralen Erkenntnisse der Shell-Jugendstudie vor und ging im Anschluss in der Diskussion insbesondere auf die Situation der Jugendlichen in Bezug auf die Jugendarbeit und die Rolle der Politik ein. So sagte er, dass die Politiker/innen eine klare Positionierung im Umgang mit Sozialarbeit und der Unterstützung von Jugendlichen vor Ort finden müsse. Kurzfristige Projekte seien oft zwar interessant, würden aber nach der Projektlaufzeit stoppen und keinen langfristigen Effekt haben.

 

In der Diskussion ging es daraufhin insbesondere um die Aufgabe, die eine heutige Jugendarbeit unter diesen schwierigen Voraussetzungen leisten sollte und welche finanzielle Unterstützung hierfür nötig sei. Simon ging dafür zuerst auf die heutigen Jugendkulturen ein. So zeige sich, dass es vielfältige Möglichkeiten für Jugendliche gebe und Jugendliche nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von Kulturen innehaben können. Der Medienkonsum und die Computernutzung nehme generell unter Jugendlichen zu, die Gewalt dagegen nicht. Nur die  Medienberichterstattung über diesen Aspekt sei in der heutigen Zeit intensiver, so Simon.

 

Bei der Frage aus dem Publikum, was die Jugendarbeit für die Jugendlichen bieten müsse, sagte Simon, dass vor allem die Bedürfnisse der Jugend erfüllt werden müssten. Jugendliche bräuchten Platz, um sich zu treffen und um sich sozial und auch sexuell zu entfalten und Beziehungen knüpfen zu können. Von den Teilnehmer/innen wurde insbesondere die Erläuterung der Haiti-Studie durch Simon beachtet. So könne in drei Schritten aus einer für Jugendliche schwierigen Lage in Städten/Ländern herausgefunden werden: Zum einen müsse Kindern früher das Lesen beigebracht werden, da Lesen eine Chance bedeutet, sich eine angenehmere Gegenwart zur sonstigen Lebenswelt zu schaffen. Als zweites müsse eine Schlüsselperson für die Jugendlichen präsent sein, damit diese regelmäßige Zuwendung erfahren könnten, die oftmals nicht von den Eltern kommen kann. Und als drittes müsse den Jugendlichen geholfen werden, zwischen dem 15. Und 25. Lebensjahr ein reguläres Arbeits- und Sozialleben außerhalb der kriminellen Ebene aufzubauen. Diese Erschaffung einer gewissen „Normalität“ und „Stabilität“ schaffe eine Ebene für die Jugendlichen, die oftmals schon ausreiche für ein glückliches Leben, so Simon. Das Schlusswort von Simon erhielt daraufhin viel Zustimmung aus dem Publikum. Er merkte an, dass die Nachhaltigkeit in Beziehungen zu Jugendlichen und den Strukturen ein entscheidendes Element einer zukünftigen und erfolgreichen Jugendarbeit darstelle.

 

Bei der Diskussion zeigte sich generell, dass aufgrund der oftmals gegebenen persönlichen Erfahrungswelt der Anwesenden als Eltern oder Sozialarbeiter/innen viel Raum für den persönlichen Austausch gebraucht wird. Es war zum Ende der Diskussion deutlich, dass Diskussionen zur Jugendarbeit besser direkt an den lokalen und regionalen Rahmenbedingungen diskutiert werden sollten, eine generelle Diskussion über Jugendsozialarbeit und generellere, politische Aspekte kam kaum zustande.

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