Naturschutz - kein Thema?!

Naturschutz - kein Thema?!

Naturschutz hat in Deutschland eine lange Geschichte. Ursprünglich war er eine Antwort romantischer Künstler/innen und besorgter Bürger/innen auf die ersten erkennbaren Folgen der Industrialisierung, reifte aber rasch auch als wissenschaftliches Konzept und wurde schließlich in Gesetzgebung und Verwaltung umfassend berücksichtigt. In der öffentlichen Wahrnehmung blieb der Naturschutz ein tendenziell romantischer Nischenansatz, welcher allenfalls gelegentlich als Entwicklungsverhinderer größere Aufmerksamkeit erhält. Im Jahre 1992 ergaben sich im Rahmen des Erdgipfels in Rio de Janeiro wichtige internationale Impulse; Naturschutz wurde zusehends als zentrales Element der nachhaltigen Entwicklung angesehen. Wichtige internationale Ziele wurden bislang aber verfehlt.

Wie steht es um die Erfolge des Naturschutzes der vergangenen Jahrzehnte? Warum spielt Naturschutz in der Bundespolitik keine gewichtige Rolle, obgleich doch das menschliche Wohlergehen von funktionstüchtigen Ökosystemen abhängt? Ist unsere von der Natur entkoppelte Gesellschaft überhaupt hinreichend an den natürlichen Lebensgrundlagen interessiert? Welche Rolle spielen dabei neue Medien und Technologie? Welche Themen stehen national und international auf der Agenda? Muss der Naturschutz professioneller werden und welche wären die entsprechende Anforderungen an Studierende, Absolventen und Institutionen? Einige der Fragen, die Pierre Ibisch mit dem natur- und umweltpolitischen Experten Jörg-Andreas Krüger diskutieren wird. Eine Bestandsaufnahme und Positionsbestimmung des Naturschutzes.

Jörg-Andreas Krüger ist Fachbereichsleiter Biodiversität des WWF Deutschland. Seine Naturschutzwurzeln liegen Anfang der 1980er in einer Jugendgruppe beim Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV), dem heutigen NABU. Nach vielen Jahren im Ehrenamt, einer Ausbildung zum Verwaltungsbeamten, einer kurzen Zeit als persönlicher Mitarbeiter eines Landtagsabgeordneten und einem Studium der Landschaftsarchitektur gelang ihm im Jahr 1999 der Sprung in den hauptamtlichen Naturschutz in der NABU Landesgeschäftsstelle Niedersachsen. Von Ende 2004 bis Mitte 2013 leitete er dann den Fachbereich für Naturschutz und Umweltpolitik in der NABU-Bundesgeschäftsstelle und übernahm ab 2010 die Funktion als stellvertretender Bundesgeschäftsführer des NABU. Daneben engagierte er sich auch als Vorstandsmitglied der deutschen Arbeitsgruppe des Forest Stewardship Council (FSC), in den Nachhaltigkeits-Beiräten der REWE-Group sowie der Krombacher Brauerei und unterrichtete im Studiengang „Global Change Management“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung.

Pierre Ibisch ist Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Am Fachbereich für Wald und Umwelt war er u.a. als Dekan und als Gründungsleiter des internationalen Master-Studiengangs „Global Change Management“ tätig. Seit 2009 ist er einer der ersten Forschungsprofessoren der Hochschule und arbeitet zu "Biodiversität und Naturressourcenmanagement im globalen Wandel". Er ist Direktor des Zentrums für Ökonik und Ökosystemmanagement.

 

0 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Neuen Kommentar schreiben