Markus Keibel

Markus Keibel

Markus KeibelMarkus Keibel. Urheber/in: Foto: Yannick Pöpperling © Markus Keibel. All rights reserved.

Markus Keibel verbrennt Bücher. Was anmutet wie ein kontrarevolutionärer Akt der Zensur, ist für den Künstler die „Bildung eines neuen Diskussionsportals zur Hinterfragung unseres veränderten Leseverhaltens im digitalen Zeitalter“. Durch Google und Wikipedia verleitet, stets nach Querverweisen zu suchen und sich dabei immer mehr vom eigentlichen Inhalt des Gelesenen zu entfernen, stellt er an seinem eigenen Leseverhalten fest, dass es ihm schwer fällt, sich länger auf einen spezifischen Text zu konzentrieren. Um daraus eine Diskussion zu entfachen, entwickelte er die Idee, das alte Medium Buch zu verbrennen, als eine Art Einäscherung eines Reliktes vergangener Zeiten. Seine Auswahl der Bücher gründet sich auf den Index librorum prohibitum, der von der katholischen Kirche 1559 herausgegeben und bis 1965 weitergeführt wurde, bis er letztendlich an der Flut der Bücher, die herausgegeben wurden, scheiterte. 600.000 Bücher sind auf diesem Index, Markus Keibel konzentriert sich auf Bücher über Aufklärung und Humanismus aus der Liste von Opus dei, auf der heute noch 6000 Bücher verzeichnet sind.

Für Rohkunstbau hat Markus Keibel 18 Bände des Brockhaus von 2005 verbrannt. Deren Asche hat er mit Acryl vermischt, um die Hälfte davon für zwei Schüttbilder zu verwenden. In unterschiedlicher Intensität ziehen sich schwarze und graue Streifen vertikal über die ungrundierte Leinwand. Mit der zweiten Hälfte der Asche hat er 18 Glastiegel eingefärbt, einen für jeden Band der Enzyklopädie. Die Behälter stehen symmetrisch nebeneinander in einem Metallgestell vor der Terrasse des Schlosses. Die Skulptur hat etwas laborartiges, wirkt wie ein überdimensionierter Reagenzglasständer. Markus Keibel führt durch seine Kritik des digitalen Lesens den destruktiven Akt des Bücherverbrennens ad absurdum, er macht daraus etwas Rebellisches, Revolutionäres und bildet die Plattform für neue Diskussionen und eine kritische Hinterfragung unseres eigenen Leseverhaltens und Informationenkonsums. In Bezug auf Wagners „Siegfried“ verändert sich das Verhalten des Helden, als das Blut Fafners auf seine Zunge gerät und er auf einmal die Stimmen des Waldes hören kann, die ihm die Augen öffnen.

 

EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)
2014         BruteForce, Anna Jill Lüpertz Gallery, Berlin
2012         mind on fire, Artary, Stuttgart
2010         Freiheit - Özgürlük, Goethe Institut Izmir, Türkei
2005         Die Unruhe des Werdens, Kunstverein Pforzheim
1994         Innen wie außen, Galerie Achim Kubinski, Stuttgart

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)
2013        no more heroes anymore, Salon Hansa, Berlin
2010        Port Izmir 2_silence storm, Izmir, Türkei
2005        Sesler, gecyle, büyüyenler, Borusan Sanat Galerisi, Istanbul, Türkei
2002        Magische Expeditionen, Folkwang Museum, Essen
1995        Stazione Venezia, Venedig, Italien

SAMMLUNGEN (AUSWAHL)
Sammlung Graebner, Berlin
Sammlung Wobbe, Hamburg
Sammlung Caspar, Stuttgart