Vorteil Bio? Regionales Marketing und Landwirtschaft in Brandenburg

Vorteil Bio? Regionales Marketing und Landwirtschaft in Brandenburg

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Die Brandenburger Landwirtschaft wandelt sich zusehends: Die Preise der Agrarprodukte steigen, vor allem Fleisch und Milch werden teurer. Gleichzeitig gibt es eine Verknappung von Agrarrohstoffen, etwa durch die höhere Nachfrage nach Biospritanbauflächen. Dies führt zu einer Intensivierung der konventionellen Agrarindustrie. Die Tendenz geht eindeutig auch hier von (familiären) Kleinbauern und -bäuerinnen hin zu einem ausgebauten Industriezweig und industrieller Tierhaltung. Die Chancen und das Potenzial ökologischer Landwirtschaft und regionaler Vermarktung in Berlin und Brandenburg werden dabei nicht gesehen und ausgebremst, auch wenn die Flächenförderung erhöht werden wird. Dies ist das bittere Resümee von Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, auf der Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg zum Thema „Regionales Marketing“ am 16. Mai 2014.

Besonders der Ökolandbau stehe in Brandenburg vor großen Problemen, so Wimmer. Die Bewirtschaftung mit ökologischem Landbau bringe zunehmend weniger ein als die intensive, konventionelle Art. Dies liege auch an fehlgeleiteter Förderpraxis durch EU und Land. Die Landesregierung in Brandenburg ist noch der Meinung, dass hier im Vergleich mit anderen Bundesländern noch wenig Tierhaltung vorhanden sei und fördert die Ansiedlung von großen Mastbetrieben. Dabei werde alles zusätzliche Fleisch, das in Deutschland produziert wird, bereits für den Weltmarkt geplant, die Eigenversorgung was Fleisch angehe, liege bereits jetzt bei über hundert Prozent. Regionale Kreisläufe und feste Abnehmer/innenkreise  zu stärken und die Überproduktion zurückzufahren, sei ein Weg für eine ökologischere Landwirtschaft in Brandenburg.

Das regionale Marketing sei hier eine Chance und eine kaum zu bewältigende Herausforderung gleichermaßen, sagte Carlo Horn, selbst Landwirt und Naturlandberater in Brandenburg. Zudem erschwere zunehmend das so genannte Landgrabbing, das Aufkaufen von Agrarflächen durch nicht-landwirtschaftliche Firmen, die Bewirtschaftung von Brandenburgs Ackerland. Da die Preise steigen, wird Land als Investition gesehen, bei dem kein reales Interesse an der eigentlichen Bodenbearbeitung liege. Carlo Horn sieht hier insbesondere eine Notwendigkeit, zwischen Politik und Bauern und Bäuerinnen zu vermitteln, um den Ökolandbau in seiner kritischen Lage zu unterstützen.

Einen anderen Fokus auf das Thema von Agrarindustrie und Regionalmarketing legte André Riediger. Zusammen mit einem Freund gründete er in Müncheberg den Betrieb „Wünsch dir Mahl“, der Bio-Fertigsuppen herstellt. Er beschreibt als Probleme des Regionalen nicht nur die teureren, weil kleineren Strukturen des Vertriebs und Verkaufs, sondern auch die Schwierigkeit, genügend regionales Gemüse aus Brandenburg für die Zubereitung der Suppen zu erhalten. Wertschöpfung könne aber in der Region geschaffen werden durch Rohproduktion und Verarbeitung vor Ort. Besonders der Widerstand gegen Unbekanntes stehe neuen Firmengründungen im Bereich der ökologischen Landwirtschaft im Weg. Dabei machte er keinen Unterschied zwischen den Vorurteilen der Anwohner/innen und Käufer/innen sowie der Behörden. Nur mit kleinen Schritten sei hier ein Vorankommen möglich, so Riediger. Die Förderung einer jungen Unternehmenskultur sei hier ein Punkt, an dem auch angesetzt werden könnte. Denn um ihre Ideen zu verwirklichen bräuchten junge Unternehmer/innen Kapital – und die Kreditvergabe sei kompliziert. Riediger hob als großes Potenzial der regionalen Vermarktung von ökologischen Agrarprodukten die guten Standards in der Produktion und die Kontrolle der Herkunft sowie Verarbeitung der Waren hervor.. Der Öko-Sektor sei hier transparenter als der regionale Bereich, jedoch sehe er hier auch eine Gefahr: Durch die größere Nachfrage und den Wachstum der Bio-Branche, der im Moment bei etwa zehn Prozent liege, würden die Bioanbauenden nicht mehr mithalten können. Der Landzuwachs an Bioanbau wachse pro Jahr nur etwa um ein bis zwei Prozent. Für die Weiterverarbeitung müssten die Produzierenden dann Ökowaren aus dem Ausland importieren, wo die Qualität nicht immer den Biostandards in Deutschland entspricht. Er regt an, besonders den regionalen Aspekt von landwirtschaftlichen Produkten in Bezug auf die Region Berlin-Brandenburg zu stärken, so dass Strukturen nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut werden können. Hierfür sei jedoch ein Bewusstseinswandel nötig, der nur langsam passiere.

Die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg nutzte die Vorträge und Diskussionen als Ansatzpunkt für zukünftige Bildungsarbeit. Einen Schwerpunkt für die zukünftige Arbeit soll die Entwicklung  der Landwirtschaft und die Möglichkeit eines Paradigmenwechsels in der Agrar- und Verbraucherpolitik in Brandenburg bilden. Das Bewusstsein der Zivilgesellschaft für die Bedeutung von Ökolandbau für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes soll geschärft, sowie lokales und regionales Interesse an der Relevanz von Bio für Brandenburg geweckt werden.

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