Kirchenburgen, viele Minderheiten und verspätete Züge - Unsere Bildungsreise nach Siebenbürgen, Rumänien

Kirchenburgen, viele Minderheiten und verspätete Züge - Unsere Bildungsreise nach Siebenbürgen, Rumänien

Mălâncrav (Malmkrog)Mălâncrav (Malmkrog) – Urheber/in: Christian Binder. All rights reserved.

Siebenbürgen oder auch Transsilvanien liegt im Zentrum Rumäniens, nördlich des Karpatenbogens. Hierhin führte die erste Bildungsreise der Heinrich Böll Stiftung Brandenburg mit 21 Teilnehmenden. Mit Zügen und Bussen ging es von Berlin über Budapest zunächst nach Sibiu (Hermannstadt). Hier trafen wir uns mit Vertretern der Deutschen Minderheit und mit Luminita Cioaba, Tochter des ehm. Bulibasha der Roma. Außerdem genossen wir die schöne Altstadt und besuchten das Freilichtmuseum ASTRA.

Die beiden Schwerpunkte waren Minderheitenpolitik und Agrarpolitik. Welchen Einfluss die EU auf die Landwirtschaft und das Leben auf dem Land hat, waren die zentralen Fragen auf dem zweiten Abschnitt der Reise. In Slimnic hatten wir die Chance, zunächst einen rumänischen Hof anzuschauen. Viele haben hinter dem Haus einen halben Hektar, auf dem sie Seminsubsistenz betreiben. In Valea durften wir dann auch mit Hand anlegen: Gemüse einmachen, Brot backen und den rumänischen Brotaufstrich "Zacusca" zaubern. Ramona Dominicioiu von der Kleinbauern-Vereinigung "Ecoruralis" brachte uns näher, wie wichtig dieses Kleinbauerntum in Rumänien ist. 40% der Menschen in Rumänien sind mehr oder weniger in der Landwirtschaft tätig. Sie versorgen das Land und kümmern sich um die Böden und die Vielfalt. Leider kommt aus den EU-Agrartöpfen nichts bei ihnen an.

In Targu Mureș haben wir uns von dem ehm. Vize-Bürgermeister über das ungarisch-rumänische Verhältnis unterrichten lassen. In Miercurea Nirajului (Nyárádszereda), einer größtenteils ungarisch sprachigen Kleinstadt, stellten wir selbst fest, dass das Leben tatsächlich nur auf Ungarisch funktioniert - und es funktioniert.

In Sighișoara (Schäßburg) übernachteten wir auf der größten bewohnten Burg Europas und lernten über die Geschichte und sozialen Strukturen der Siebenbürger Sachsen. Im 12. Jahrhundert sind die ersten deutschstämmigen Siedler aus der Moselregion nach Siebenbürgen gezogen. Mit gut organisierten Nachbarschaften, Wehrkirchen, Privilegien des ungarischen Königs und handwerklich-kaufmännischem Geschick hat man es geschafft, die eigene Kultur über Jahrhunderte aufrecht zu erhalten. Viscri (Deutsch-Weißkirch), Saschiz (Keisd), Biertan (Birthälm), Mălâncrav (Malmkrog) und Apold (Trappold) waren die Stationen unserer Entdeckungen.

Zum Abschluss der Reise ging es an die Karpaten zum orthodoxen Kloster Brâncoveanu in Sâmbăta und nach Dejani. In Șercaia besuchten wir das Kinderheim Canaan und ab Brașov (Kronstadt) ging es erneut mit einem Nachtzug nach Budapest und einem Tageszug zurück nach Berlin.

Besondere Herausforderungen waren die verspäteten Züge und die Umstiege in Budapest. Auch dies wurde von der Reisegruppe gut weggesteckt - genauso wie die vielen Ortswechsel und das teilweise straffe Programm. Generell hat uns die Reise Lust und Mut gemacht, weitere Bildungsreisen anzubieten. Dass kurz nach unserem Besuch ein Deutschstämmiger zum Präsidenten gewählt wurde, ist wahrscheinlich purer Zufall...

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Giurca Teodor

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich ganz herzlich, dass ihre Firma Reisen nach Rumänien anbietet. Es ist mein Land, ich liebe sie, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und drücke Ihnen die Daumen.
Ihren Site gefällt mir, und hoffe, dass die nötige Audienz findet.
Ich wohne in Rumänien, also an Ort und Stelle, und möchte gerne Ihnen behilflich sein mit irgendeine Sache (Info, Tipps, Reiseleitung usw). Auch erwähnenswert, ich mache diese Reiseleitung seit 20 Jahre, mehr dazu auf http://romania-tours.blogspot.ro/

Alles Gute und ein hervorragender Saison in Rumänien von
Teodor Giurca