Warum wir Denkmale schützen (sollten)

Warum wir Denkmale schützen (sollten)

DenkmalUrheber/in: Thomas Kohler. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Der Grüne Salon Kleinmachnow beschäftigte sich im Februar mit dem Thema „Warum wir Denkmale schützen (sollten)“  und fand im Domizil des Kleinmachnower Kunstvereins „Die Brücke e.V.“ und des  KultRaum Kleinmachnow, im denkmalgeschützten ehemaligen Landarbeiterhaus statt – ein passender Kulturstandort für dieses Thema. Cornelia Behm moderierte das Gespräch mit Thomas Drachenberg, der als Landeskonservator Einblicke in die Bewertung und den Umgang mit Denkmalen im Land Brandenburg geben konnte.  Gleich vorneweg wurde geklärt, dass man in einigen Regionen Deutschlands sowohl Denkmale als auch Denkmäler sagen kann. In Brandenburg werden allerdings Denkmale auf die Landesdenkmalliste gesetzt und das Wort Denkmäler bezeichnet den Plural von Statuen. Die Moderatorin erkundigte sich, wie ein Denkmal auf die Denkmalliste komme und wer die entsprechende Bewertung vornehme. Thomas Drachenberg gab an, dass sich das Landesdenkmalamt auf zwei Säulen stütze; zum einen gehe es darum, wie man ein Denkmal erkennt und zum zweiten, wie sich der Umgang mit Denkmalen gestaltet. Laut Definition, sollte ein Denkmal eine Bedeutung auf künstlerischem, städtebaulichem oder technischem Gebiet haben. Wenn ein Bauwerk mindestens eines dieser Kriterien erfülle, würde es sowohl von außen als auch von innen begutachtet (in anderen Ländern reiche oft eine Außenbetrachtung) und bewertet. Eine weitere Frage bezog sich darauf, ob allein der Name eines berühmten Architekten, wie bspw. Gropius oder Muthesius, reiche, um ein Haus zum Denkmal zu machen. Der Landeskonservator verneinte dies und bemerkte, dass auch ein solches Haus die genannten Kriterien erfüllen und Substanz haben müsse, um dem Denkmalwert gerecht zu werden. Der neue Landtag in Potsdam sei demnach ein Neubau und somit kein Denkmal.

Auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg gibt es aktuell 13 300 Einträge, doch oft fehlt das Geld zur Erhaltung. So kam es zu der Frage, ob der Denkmalschutz-Status eigentlich vor dem Verfall schütze? Hier lenkte Thomas Drachenberg ein und brachte die Öffentlichkeit ins Spiel. Wenn der Wert eines Denkmales nicht erkannt würde, ob von der Öffentlichkeit oder dem Beisitzer, so bringe die Eintragung auf der Landesdenkmalliste nichts. Dass Hausbesitzer durch das Denkmalschutzsiegel befürchten, keine Veränderungen an einem Gebäude mehr vornehmen zu können oder sehr eingeschränkt zu sein, hört man häufig. Hier führte Drachenberg das Beispiel einer Dorfkirche an, welche verschiedene Schichten oder verschiedene Zeiten darstellt (z.B. Fenster aus dem Barock, Bestuhlung aus einer anderen Epoche, usw.). Die Kunst der Denkmalpflege sei es dann, diese Schichten erkennen zu lassen, also Gebrauchsspuren zu erhalten – man soll sehen, was war – und gleichzeitig neue Schichten hinzuzufügen. In Bezug auf den Sanierungsrückstand im Land erwähnte der Landeskonservator wichtige Förderprogramme, die es seit den frühen neunziger Jahren gäbe: die Städtebauförderung, die die Innenstadt als Förderkulisse hat; so konnte  z.B. die Burg Ziesar erhalten werden. Als zweites wurde die Landwirtschaftsförderung angesprochen, die sich aus EU-Geldern speist und den ländlichen Raum fördert. Zudem gibt es ein Programm des Bundes zur Förderung national bedeutender Denkmale, bei dem eine wissenschaftliche Kommission involviert ist und jeweils ein Drittel der Finanzierung über den Bund, das Land und den Besitzer läuft (Bsp. Brandenburger Dom, Borsighalle in Eberswalde). Was allerdings nicht bestünde, sei ein Landesprogramm zur Substanzerhaltung, denn der Verfall müsse gestoppt werden. Drachenberg bemerkte, dass es einen Restaurierungsstau auch in anderen Ländern gäbe, allerdings sei in Brandenburg keine Perspektive des Abarbeitens erkennbar. Eine Landesstiftung werde aber in Brandenburg weiter thematisiert.

Im Verlauf des  Salongesprächs ging es außerdem um die Möglichkeit des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf denkmalpflegerische Leistungen, Begrifflichkeiten wie Umgebungs- und Ensembleschutz und die Unterscheidung zwischen Bodendenkmalen und Bau- und Kunstdenkmalen. Für Bodendenkmale ist ein Landesarchäologe zuständig. Die Fundamente der Häuser am Marktplatz in Eberswalde, welcher im Krieg zerstört wurde, waren z.B. Bodendenkmale. Hier erklärte Drachenberg, dass man diese auch versetzen dürfe. Beim Autobahnbau werden Bodendenkmale ausgegraben, dokumentiert und eventuell abgerissen oder überbaut. In der abschließenden Diskussion kamen aus dem Publikum noch Fragen zur Auferstehungskirche und der Hakeburg in Kleinmachnow. Hier wurde noch einmal aufgegriffen, dass sich Denkmalschutz nach der Substanz richtet und nicht nach Nutzung; wenn die Funktion als Kirche z.B. wegfällt, beeinträchtigt das den Denkmalschutz nicht. Anhand der Hakeburg wurde darüber gesprochen, wie man einen Kompromiss zwischen neuem Nutzen und dem Erhalt alter Substanz finden kann. Da bei der Hakeburg der Ausbau zu Wohnungen immer mal wieder im Gespräch gewesen sei, wurden die Schlösser Wiesenburg und Güterfelde im Vergleich angeführt, bei denen der Ausbau, laut einzelner Gäste, mehr oder weniger gut gelungen sei. Allerdings erforderten sie so viele Eingriffe in das Denkmal, dass diese Lösung eher nicht zu empfehlen wäre. Thomas Drachenberg ging zuletzt noch auf Nachfragen zur Personalsituation in der Denkmalpflege ein. Die Einsparungen seien schon länger Thema und das Personal solle bis 2018 um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Der Landeskonservator bedauerte in diesem Zusammenhang vor allem, dass wertvolles Wissen und Erfahrung zukünftig mangels Einarbeitung verloren gehen würden. Schlussendlich benötigt gute Denkmalpflege aber Zeit und Personal.

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