Nachhaltigkeit buchstabiert: Effizienz

Nachhaltigkeit buchstabiert: Effizienz

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In Berlin habe ich im fünften Stock ohne Aufzug gelebt, dort war mein Motto: erst den Kopf an, dann die Treppen gehen. Ganz von selbst habe ich also versucht jeden Gang nach oben oder unten so effizient wie möglich zu gestalten. Und es ärgerte mich kolossal, wenn ich die Handschuhe in der Wohnung vergessen hatte und mich unten ein eisiger Wind am Fahrradständer empfing.

Meine Erfahrung ist, jeder Mensch hat eine andere Wertigkeit für Effizienz in sich. Der eine ist ein Pfennigfuchser und quetscht auch noch den letzten Rest aus der Zahnpastatube, dem anderen ist es wichtig, wirklich jeden Urlaubstag auf Reisen zu verbringen, wieder andere tun es für die Umwelt und fangen ihr Regenwasser vom Dach auf, um damit die Toilette zu spülen und den Garten zu gießen.

Effizienz heißt doch nichts anderes als ein Ziel zu erreichen und dafür möglichst wenig Ressourcen einzusetzen – wenig Ressource Mensch, Ressource Zeit, Ressource Geld, Stoff, Luft, Wasser, Energie, …
Und im nachhaltigen Sinne heißt Effizienz dann: möglichst wenig Ressourcen einzusetzen, die nicht erneuerbar sind, oder? Wobei sich die Ressourcen so erneuern können müssen, dass die Zukunft der künftigen Generationen gewahrt bleibt und jeder Mensch auf der Welt das gleiche Ressourcenbudget hat und überhaupt … so einfach definiert sich das auch wieder nicht.

Muss es aber auch nicht, solange wir den gesunden Menschenverstand walten lassen. Also zurück zum täglichen Leben: Ich will auf den Markt zum Einkaufen, bis dahin sind es zwei Kilometer. Am nachhaltigsten bewege ich mich auf jeden Fall zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin. Mit dem Auto zu fahren ist sicherlich genau das Gegenteil davon. Aber wenn ich schon Kraftstoff einsetze, dann ist es sehr effizient, wenn ich meine drei Nachbarn mitnehme und dann ein Auto uns vier und unsere Einkäufe transportiert.

Ralf Radloff unser „Wärmewendepapst“ in Schleswig-Holstein hat auch ein sehr anschauliches Beispiel für Ineffizienz, um damit für effiziente Wärmenetze zu werben: „Warum machen wir denn in unseren Kellern mit einer 1.200°C-heißen Flamme Wasser heiß, welches die Räume nur auf 20°C heizen soll?!“
Die Lösung ist, dass wir dezentral Strom erzeugen (in Block-Heiz-Kraft-Werken - BHKWs) und dabei sowieso Abwärme entsteht, die wir für die Beheizung unserer Häuser nutzen können. Die Verteilung dieser Abwärme passiert in Nahwärmenetzen, mit Temperaturen von etwa 70°C.

Und obwohl alle Fachleute sagen, dass dieses System viel, viel effizienter ist, ist der Bau von Wärmenetzen kein Selbstgänger. Der Pfennigfuchser möchte, dass es auch billiger ist, die Freiheitsliebende hat Angst nicht mehr der eigene Herr im Haus zu sein und die Umweltschützer wollen es nur, wenn das BHKW gleich auch noch mit erneuerbaren Energien betrieben wird.

In meiner jetzigen Nachbarschaft in Kiel sind wir bereits an ein Wärmenetz angeschlossen. Und trotzdem stinkt es heute Abend wieder zum Himmel. Bei aller Effizienzoptimierung haben die Leute nämlich die gute alte Behaglichkeit wiederentdeckt und lieben es, abends am knisternden Kaminofen zu sitzen. Das Holz dafür kommt sicherlich aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft aber ich kann mein Schlafzimmer vor dem zu Bett gehen nicht mehr lüften :-(

Es menschelt eben auch bei einer noch so effizienten Energieversorgung.

 
Der Beitrag von Doris Lorenz steht in der Reihe "Nachhaltigkeit buchstabiert".
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