Nachhaltigkeit buchstabiert: Effizienz

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Ohne Verzicht sparen

Effizienz ist der sparsame Umgang mit knappen Ressourcen. Wenn mit knappem Geld viel erreicht wird, bedeutet Effizienz nichts anderes als Wirtschaftlichkeit. Effizientes Handeln ist im Alltag völlig normal, weil es einen Gewinn an Lebensqualität verspricht, nur indem wir vermeiden zu verschwenden. Mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW), das ich gemeinsam mit den anderen Mietern in unserem Hause betreibe, kann ich in meinem persönlichen Umfeld den Erfolg von Energieeffizienz erleben. Seit der Installation des kleinen Kraftwerks profitiert die Hausgemeinschaft von niedrigen Kosten für Strom und Wärme. Wir schätzen die zuverlässige und umweltfreundliche Versorgung aus dem eigenen Kraftwerk sehr: Jedes Jahr zum Tag der Erneuerbaren Energien öffnen wir unsere Türen für etwa 60 interessierte Nachbarn und Hausgemeinschaften, denen ich vorführe, dass Effizienz bei der Wärmeversorgung ein Gewinn für alle sein kann – auch für den Klimaschutz.

Effizienz selber machen

Vor fünf Jahren sagte mir der Blick auf meine ständig steigende Heizrechnung, dass die Wärmeerzeugung in dem Mehrfamilienhaus am Rande von Berlin effizienter sein könnte. Durch die staatliche Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) konnte ich den anderen Mietern vorrechnen, dass wir gemeinsam Kosten einsparen können, mit selbst erzeugtem Strom und Wärme. Auch der Vermieter ließ sich überzeugen, dass er sparen kann, wenn er die Strom- und Wärmeerzeugung an eine Mieter-Gesellschaft (GbR) überträgt. Nachdem sich eine ausreichende Zahl von Mietern in der GbR zusammengeschlossen hatte, konnten wir im Keller des Hauses ein Gas-betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) installieren.

Es produziert Strom und Wärme gleichzeitig und ist deshalb besonders effizient. Die Umwelt wird entlastet, weil es die Heizwärme für die Mieter mit weniger Emissionen deckt. Es wird so betrieben, dass immer ausreichend Wärme für Heizung und Warmwasser zur Verfügung steht. Wenn der selbst produzierte Strom nicht im Haus verbraucht wird, kann er in das Stromnetz eingespeist werden und bekommt eine garantierte Mindestvergütung.

Modewort Effizienz

Effizienz ist immer gut. Um Zeit zu sparen, um den Materialverbrauch zu reduzieren, um Kosten einzusparen oder um die Umwelt zu entlasten. JedeR ist damit einverstanden, wenn beim Klimaschutz mehr Effizienz eingefordert wird. Doch wo Sparsamkeit endet und wann Verschwendung beginnt, wird in einer von Wirtschaftsinteressen dominierten Umgebung leider noch viel zu oft allein an den Kosten festgemacht.

Messlatte für einen (öko-)effizienten Umgang mit Energie und Material ist die Natur selbst. Doch taugt ein blühender Kirschbaum in seiner verschwenderischen Pracht als Vorbild für Effizienz? Er kann, denn diese prachtvolle Verschwendung dient der Effektivität, also dem Erfolg des Baumes in seiner ökologischen Nische. Aus Sicht des Menschen, der die Kirschen zur Ernährung nutzt, müsste der Baum wohl effizienter mit der knappen Zeit umgehen indem er schneller wächst und öfter Kirschen trägt, aber das zu ändern, liegt nicht in unserer Macht.  

Effizienz als Wachstumsmotor?

Ein einfaches Prinzip: Um erfolgreich zu sein, strebt die Wirtschaft unablässig nach Effizienz. Beim Reisen bedeutet dies, dass der Erholungssuchende die Ziele, schneller, billiger und umweltfreundlicher erreicht, dafür aber häufiger Fernreisen unternimmt. Das Resultat von mehr Effizienz im Flugverkehr ist eine deutliche Steigerung des weltweiten Flugverkehrs, verbunden mit einem absoluten Anstieg der Emissionen. Dieser Effekt wird als Rebound-Effekt bezeichnet. Der absurde Alltag unserer Wachstumsgesellschaft erscheint als ein Lauf im Hamsterrad bei dem Effizienz das Rad nur schneller dreht. Brauchen wir das wirklich?

Bei mir zu Hause hat das effiziente Blockheizkraftwerk nicht dazu geführt, dass wir die Heizung höher drehen oder die Lampen länger brennen lassen. Aber wohin mit dem eingesparten Geld, wenn wir die eingesparten Emissionen nicht mit vermehrtem Konsum wieder in die Luft blasen wollen? Wir genießen eine höhere Lebensqualität mit gutem Essen oder investieren es in noch mehr (Energie-) Effizienz. Wir können auch einfach weniger arbeiten. Effizienz lohnt sich immer.

 

Der Beitrag von Michael Jungclaus steht in der Reihe "Nachhaltigkeit buchstabiert". Mehr unter www.nachhaltigkeit-buchstabiert.de

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