Goldener Herbst in Siebenbürgen

Goldener Herbst in Siebenbürgen

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In Siebenbürgen, im Herzen Rumäniens, haben über Jahrhunderte viele verschiedene Völker zusammen gelebt: Ungarn, Rumänen, Roma und Deutsche. Speziell die in diesem Jahrhundert endende Geschichte der Siebenbürger Sachsen haben 22 Reisende näher kennengelernt. Wir haben eine Reihe von Kirchenburgen besichtigt und mit vielen Vertreter/innen der Sachsen (mit scharfem „s“!) gesprochen. Ganz zu Ende ist ihre 800jährige Geschichte noch nicht. In Hermannstadt regieren die Sachsen noch mit einer Mehrheit im Stadtrat, im Dorf Malmkrog gibt es noch über 100 Sachsen und damit eine intakte Gemeinde mit Nachwuchs, der auch vor Ort bleibt. Und in Bukarest sitzt einer ihrer Vertreter seit einem Jahr im Präsidentenamt (Klaus Iohannis).

Über das aktuelle Geschehen in Rumänien bestimmen allerdings andere Bevölkerungsschichten. Wir waren in Dörfern in Siebenbürgen, in denen man sich nur mit Ungarisch verständigen kann. Die Roma stellen einen immer größeren Teil an der Siebenbürger Bevölkerung. Manche haben sich assimiliert und geben in Umfragen nicht an, dass sie Roma sind (wahrscheinlich auch, weil sie dann Diskriminierungen fürchten). Andere Roma leben noch in ihrer traditionellen Form. Leider sind die Handwerkskünste, mit denen sie seit Jahrhunderten Siebenbürgen bereichert haben, heutzutage „dank“ Ikea oder Kaufland und den damit einhergehenden Lebensstilen weniger gefragt.

In der rumänischen Gesellschaft haben wir in unseren Gesprächsrunden eine tiefe Frustration mit den herrschenden Eliten gespürt. Kurz nach unserem Besuch hat der sich unter Korruptionsverdacht befindende Ministerpräsident Ponta (PSD) Anfang November dann endlich seinen Rücktritt erklärt. Nach der Brandkatastrophe in einem Bukarester Club mit 32 Todesopfern war der Druck der Straße („Korruption tötet!“) zu groß geworden. Man darf jetzt gespannt sein, ob sich Präsident Iohannis mit seinem Wunsch nach vorgezogenen Neuwahlen durchsetzen kann und Rumänien eine Chance zur ernsthaften Korruptionsbekämpfung nutzen kann.

Im ländlichen Raum durften wir uns von funktionierenden kleinbäuerlichen Strukturen überzeugen und verköstigen lassen. Leider gehen die Förderungen der EU noch zu wenig auf den Erhalt dieser Strukturen ein. Kleinbauertum schützt soziale Strukturen und Biodiversität. An einem Tag haben wir Pilze gesammelt und den rumänischen Brotaufstrich „Zacusca“ gekocht. Oktober ist die Zeit des Einsammelns und Einkochens – und damit auch eine sehr arbeitsintensive Zeit, bevor es dann im Dezember zum Feiern übergeht.

Siebenbürgen hat sehr vieles Schönes zu bieten: landschaftlich, architektonisch, kulinarisch. Auch gesellschaftlich können wir einiges lernen im Umgang mit Minderheiten, Unsicherheiten, Jahreszeiten und derzeit auch den Umgang mit Eliten, die man nicht mehr haben möchte... So war für jeden der 22 Teilnehmenden etwas dabei im reichen Siebenbürgen.

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