Bildungsreise: Moldova im Wandel

Bildungsreise: Moldova im Wandel

Urheber/in: Heinrich Böll Stiftung Brandenburg. All rights reserved.

Bericht: Bildungsreise - Moldova im Wandel

24. August bis 3. September 2016
Berlin-Sibiu-Bukarest-Chisinau-Lalova-Tiraspol-Odessa
21 Teilnehmende, Reiseleitung: Julian Gröger, Heinrich Böll Stiftung Brandenburg

In den Wendejahren 1989-1992 haben sich die von uns besuchten Länder Rumänien, Moldova und die Ukraine auf einen neuen Weg gemacht. Den Menschen ging es überall um mehr Freiheit und mehr Wohlstand. Im Jahr 2016 ging die Bildungsreise durch sehr unterschiedliche Regionen.

Nach einer 25-stündigen Zugfahrt ab Berlin mit Umstieg in Budapest, hat die Reisegruppe in Sibiu oder auch Hermannstadt die Reise mit einem Stadtspaziergang begonnen. Die Chefredakteurin der „Hermannstädter Zeitung“, Beatrice Ungar, informierte die Teilnehmenden über die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und auch über den in Rumänien gewaltsam stattgefundenen Umbruch im Dezember 1989. Anschließend ging es auch schon wieder mit dem Zug über die Karpaten nach Bukarest weiter.

Das Hotel lag im Norden der Calea Victoriei und so bot sich ein geführter Spaziergang entlang der berühmtesten Straße Bukarests an. Vorbei an vielen verschiedenen Baustilen, an dem Balkon, von dem der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu am 21. Dezember noch versucht hatte, sein Volk zu beruhigen, weiter zum berühmten Restaurant „Caru cu bere“. In Gesprächen und Spaziergängen mit rumänischen Freunden konnte man weitere Hintergründe und Bewertungen des Umbruchs und der jetzigen Lage Rumäniens erfahren. Rumänien, welches seit 2007 Mitglied in der EU ist, hat im November 2014 überraschenderweise mit Klaus Iohannis einen Siebenbürger Sachsen zum Präsidenten gewählt. Ob Rumänien zu einem Hoffnungsschimmer für die ganze Region Südosteuropa werden kann, werden die nächsten Jahre zeigen. Wie schaffen es die RumänInnen, die Wachstumsgewinne fair zu verteilen? Wie kämpft man erfolgreich gegen die kulturell verwurzelte Korruption? Wie erhält man die größtenteils kleinbäuerlichen Strukturen und wehrt sich gegen „Landgrabber“? Wie schafft man es, in der Region das Land so attraktiv zu machen, dass junge Rumänen aus dem Ausland zurückkommen oder zumindest nicht mehr abwandern?

Am Abend ging es dann in den zweiten (und letzten) Nachtzug der Reise: Der „Zug der Freundschaft“ ist sowjetischer Bauart und fährt jeden Abend von Bukarest nach Chisinau. Hinter der Grenze müssen die Räder ausgetauscht werden, um auf dem breiteren Schienenmaß weiterfahren zu können. Chisinau ist die Hauptstadt Moldovas – oder auch der Republik Moldau, wie das Land auf Deutsch offiziell bezeichnet wird. An den Bezeichnungen Moldawien, Moldova oder Republik Moldau erkennt man schon, dass vielen nicht ganz klar ist, woher dieses Land kommt und wo es hingehört. Auch innerhalb des Landes nehmen Identitätsfragen, Sprachenpolitik und Geschichtsschreibung einen wichtigen politischen Raum ein. Davon konnte sich die Gruppe in vielen Gesprächen mit MoldauerInnen überzeugen – genauso von dem exzellenten und vielen Wein, der guten Küche oder dem fruchtbaren Schwarzerdeboden.

Von Chisinau ging es nun per Bus nach Tiraspol, sie ist die Hauptstadt des international nicht anerkannten Staates Transnistrien. 1992 erklärte sich dieser Teil der moldauischen Sowjetrepublik (jenseits des Fluss Dnjestr – daher der Name) nach einem Bürgerkrieg unabhängig und besitzt seitdem eine eigene Verwaltung, eine eigene Währung und eine eigene Geschichte. Mit Spannung erwartet war unter diesen Voraussetzungen natürlich der Besuch im sogenannten Außenministerium. Hier wurde uns die transnistrische Sicht der Geschichte erzählt. Zum Beispiel die Sichtweise, dass 1944 nach Einmarsch der Roten Armee Moldova an Transnistrien angeschlossen wurde (und nicht umgekehrt), was eine gewisse Logik ergibt. Wahrscheinlich mit mehr Fragen als zuvor im Kopf, ging es dann weiter gen Südosten nach Odessa.

Seit dem Konflikt auf der Krim und im Osten der Ukraine sind auch die Beziehungen zwischen der Ukraine und dem russlandfreundlichen Transnistrien kompliziert. Das durfte die Gruppe gleich am Grenzübergang erfahren, an dem man knapp 2 Stunden warten musste. Odessa selbst war dann nochmal landschaftlich eine Perle und am Tag des Aufenthalts in der Stadt, dem 2. September, besonders schön anzuschauen. Der Krieg im Osten des Landes ist hier weit entfernt und auch von den Spannungen zwischen Odessiten, die sich eher mit Russland identifizieren und Odessiten, die überzeugte UkrainerInnen sind, hat man nichts mitbekommen. Im Impact Hub Odessa konnte die Gruppe zudem sehen, wie junge Leute an einer neuen Ukraine arbeiten. Am letzten Tag blieb dann nach einem langen Weg für viele auch noch Zeit für einen Badenachmittag oder auch den Besuch in der berühmten Oper.

Die Heinrich Böll Stiftung Brandenburg richtet seit 2014 Bildungsreisen in Richtung Südosten aus.

Wenn Sie Interesse daran haben, über Termine und Reiserouten für 2017 informiert zu werden, schreiben Sie an:
groeger@boell-brandenburg.de

0 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Neuen Kommentar schreiben