Rückblick 2. Fachtag "Vielfältig und einzigartig - Zukunft im Verband gestalten"

Rückblick 2. Fachtag "Vielfältig und einzigartig - Zukunft im Verband gestalten"

Vielfältig und einzigartig – Zukunft im Verband gestalten,

unter diesem Titel wurden im prominent gelegen Alten Rathaus Potsdam gegenüber des Brandenburger Landtages Vorträge, Podiumsdiskussion und Workshops sowie die Möglichkeit zu Diskussion, fachlichem Austausch und Vernetzung geboten.

Im Fokus des 2. Fachtags im Projekt "Zusammen:Wirken im Verband", der am 12. Februar stattfand, stand dabei die Thematik der Entwicklung von Verbänden im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung.

In diesem Artikel finden Sie einen Abriß zu allen Tagesordnungspunkten, sowie die Möglichkeit, diese einzeln oder komplett auf Soundcloud nachzuhören.

 

10:00 – 10:10 Einführung Dr. Anne Ulrich (Moderation), Referentin für Demokratie der Heinrich-Böll-Stiftung.

10:10 – 10:20 Grußwort David Kreuziger, Vorstand des Landesverbandes Berlin/Brandenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe,

stellte in seinem Grußwort einige der bisherigen Erfolge des Projektes vor, wie beispielsweise die Erstellung des Leitbildes Interkulturelle Öffnung im Landesverband oder die Entwicklung der Diversity Management-Strategie des Regionalverbands Berlin.

10:20 – 10:30 Grußwort Andreas Büttner, Staatssekretär für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg,

begrüßte die Gäste des Fachtages mit den Worten „Interkulturelle Kompetenz bedeutet ja auch, dass wir uns selbst öffnen müssen“ und spannte damit den Bogen zum vielfach diskutierten Thema der Integration als Chance und Notwendigkeit.

10:30 – 11:00 Vortrag ‚Vielfaltsorientierung als HerausforderungAlfred Roos, Geschäftsführer der RAA Brandenburg,

zeigte den demografischen Wandel und Fachkräftemangel in Berlin und Brandenburg auf und stellte heraus, dass Arbeitsmigration gebraucht wird. Neben anderen Dimensionen ist es die Arbeitsmigration, bei der sich in Unternehmen flexible Strukturen etablieren müssen. Herr Roos machte gleichzeitig deutlich, dass Vielfaltsorientierung in privaten oder öffentlichen Einrichtungen jedoch mehr bedeutet, als zugewanderte Fachkräfte erfolgreich in eine Organisation zu integrieren. Aus eigenen Erfahrungen der Prozessbegleitung im Rahmen der interkulturellen Öffnung stellte er es als einen wichtigen Aspekt heraus, Strukturen zu schaffen, welche der Heterogenisierung der Mitarbeitenden und Zielgruppen gerecht werden. Spiegelt sich die Vielfalt der Kundschaft  in der Mitarbeitendenschaft und den Führungspositionen wider?  Vielfalt in der Personalentwicklung heißt auch, sich zu fragen, wie die eigene Einrichtung mit dem “Anderssein“ einer (potentiell) wenig privilegierten Gruppe umgeht und ebenso zu hinterfragen, wie attraktiv sie für diejenigen ist, die sich zu dieser Gruppe zählen.

Zugleich sei in Bezug auf Fachkräfte mit Migrationshintergrund ein Wissen – etwa über die Rolle von Feuerwehren oder Krankenhäusern – in anderen Ländern relevant, ohne jedoch in die Falle der Kulturalisierung zu tappen, indem festgeschrieben wird, wie Menschen aus einer Region wohl grundsätzlich seien. Vielmehr bedarf es in Zeiten, in denen nicht weißen Personen die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft abgesprochen und rassistische Positionen  öffentlich geäußert werden, klarer Statements für Vielfalt.

11:00 – 11:30 Key Note: `Impulse für mehr Diversität´ Narku Lorenz Laing, Geschäftsführer Vielfaltsprojekte und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München,

ging darauf ein, welche Lösungsansätze sich für Verbände bieten, Vielfalt in ihrem Verband zu verankern. Um diesen vielschichtigen Prozess der Organisationsentwicklung handhabbar zu machen, empfiehlt er, einzelne Identitätskategorien auszuwählen und sich auf diese zu konzentrieren. Er schlägt als Fokus die nachhaltige Vermeidung rassistischer Diskriminierung[1], von Ableismus[2] und (Hetero)Sexistischer Diskriminierung[3] vor, um ein Netz an Maßnahmen zu etablieren, das eine Breite an Diskriminierungsrisiken berücksichtigt. Bei der Förderung von Diversitätsstrategien sei zu beachten, dass nicht „gleiches für alle“ gelten kann, sondern von gesamtgesellschaftlicher Diskriminierung betroffene Personen gesondert unterstützt werden müssen, um dafür einen Ausgleich herzustellen. Egalitarismus und Universalismus sind das Ziel, aber in einem von Machtverhältnissen bestimmtem Raum nicht der passende Ansatz.

11:45 – 12:45 Thementische/Workshops boten den praxisnahen Teil der Veranstaltung, bei diesen konnten angesprochene Themen vertieft werden:

  • „Partizipation statt Integration“ – Projektvorstellung Julia Krause, Johanniter Unfall Hilfe Regionalverband Nordbrandenburg Vorstellung des Projekts der aufsuchenden Migrationssozialarbeit, das vom Bundesverband als ‚Leuchtturm der Integration‘ gefördert wird
     
  • „Der Islam - Fakten und Vorurteile“ Andreas Vogl, Institut für Islamwissenschaften, FU Berlin
    Vortrag und Diskussion zur Geschichte des Islams und zu Vorurteilen ihm gegenüber
     
  • „Diversity und Anti-Diskriminierung“ Lorenz Narku Laing, wissenschaftlicher Mitarbeiter LMU München, Leiter Vielfaltsprojekte
    Problemanalyse und Aufstellen von Lösungsansätzen für Diversity und Anti-Diskriminierung in den eigenen Verbandsstrukturen
     
  • „Netzwerkgründung Interkulturelle Öffnung im Landesverband“ Kathrin Treichel und Annegret Zehe, Johanniter Unfall Hilfe Landesverband Berlin/Brandenburg
    Auftakt zur Gründung eines Netzwerks, welches die Aktivitäten im Bereich Interkulturelle Öffnung zukünftig vorantreibt

13:40 – 14:30 Podiumsdiskussion

Welche Verantwortung haben Wohlfahrtsverbände beim Erhalt und der Entwicklung einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft? Welche Rolle spielt dabei die Politik und wie müssen die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels angegangen werden?

Diese Fragen und weitere Punkte diskutierten Anne Ernst, Fachbereichsleiterin Flüchtlingshilfe und Integration Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Bundesgeschäftsstelle, Anna Heyer-Stuffer, Mitglied im Migrantenbeirat der Stadt Potsdam, Andrea Johlige, Fraktion DIE LINKE im Landtag Brandenburg, Sprecherin für Asyl- und Flüchtlingspolitik, Migrant*innen- und AusländerInnenpolitik und Tolerantes Brandenburg, Diana Sandler, Migrations- und Integrationsrat Land Brandenburg e. V., Dr. Maren Jasper-Winter, FDP-Fraktion, Frauenpolitische Sprecherin und Sprecherin für berufliche Bildung, Abgeordnetenhaus Berlin und Barbara Richstein, CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg, Sprecherin für Europa, Migration und Integration, Stellvertretende Vorsitzende.

14:30 – 15:00 Zusammenfassung und Verabschiedung durch Anne Ullrich & Lorenz Narku Laing

 

Die Playlist mit allen Tagesordnungspunkten finden Sie hier auf Soundcloud:

Weitere Informationen zum Projekt "Zusammen:Wirken im Verband", den Zielen und weiteren Veranstaltungen finden Sie hier.

 

 

[1] Hierunter fasst er Diskriminierung aufgrund ethnischer oder religiöser Zugehörigkeiten und Zuschreibungen

[2] Diskriminierung gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung, die von der körperlichen und psychischen Norm abweichen, wobei Lorenz Narku Laing dabei ebenso Aspekte des Habitus einbezogen sieht.

[3] auf das Geschlecht und die sexuelle Orientierung bezogene Diskriminierung.

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