XX. Rohkunstbau - Landpartie mit „Revolution“

XX. Rohkunstbau - Landpartie mit „Revolution“

Begrüßungsreden zur Ausstellungseröffnung mit Mark Gisbourne (Kurator), Ulrike Grelck (Co-Kuratorin), Inka Thunecke (Geschäftsführerin Heinrich-Bölll-Stiftung Brandenburg), Dr. Arvid Boellert (Gründer Rohkunstbau) und Schlossherr Bodo Krug von Nidda. (v.l.n.r.)Begrüßungsreden zur Ausstellungseröffnung mit Mark Gisbourne, Ulrike Grelck, Inka Thunekce, Dr. Arvid Boellert und Bodo Krug von Nidda. (v.l.n.r.) – Urheber/in: Daniela Krebs, Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg. All rights reserved.

Eingetaucht in strahlenden Sonnenschein wurde am 05. Juli 2014 die  Jubiläumsausstellung zum 20. Rohkunstbau auf Schloss Roskow eröffnet. Rund 500 Besucherinnen und Besucher kamen zur Vernissage in das beschauliche Dorf, um sich vor der malerischen Kulisse des Schlosses und Schlossparks die Arbeiten der internationalen Künstler/innen zum diesjährigen Thema „Revolution“ anzuschauen. Dr. Arvid Boellert, Direktor von Rohkunstbau, eröffnete die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Mark Gisbourne und Inka Thunecke, der Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg, die die Trägerschaft von Rohkunstbau innehat.

 

Nicht nur das Wetter zeigte sich zugunsten der Eröffnung von seiner besten Seite, auch die Arbeiten der Künstler/innen waren insgesamt sehr beliebt. Ein Zimmer im Schloss stellte dabei einen besonderen Publikumsmagneten dar: Ion Sur malte oder besser: erschuf bewegende Bilder. Und das nicht nur im übertragenen Sinn. Nähert man sich den großformatigen Gemälden mit dem breiten, silberfarbigen Rahmen, fangen die dort gemalten bunten Kreise an sich zu bewegen. Sie reagieren auf die Betrachter/innen.Schwingungen gleich verziehen sich die Ränder, das Runde wird größer und wieder kleiner, je nachdem, wie nah man dem Bild kommt.

Im Nachbarraum ziehen sich bunte Fäden quer durchs Zimmer, an ihnen sind Fotos angehängt, die von einer Reise der Künstlerin Eva Castringius erzählen. Vor einigen Jahren war sie in Tibet und lernte die tibetische Kultur kennen. Die Sorge, dass diese Kultur eingeengt oder zerstört werden könnte, prägt ihre Arbeit.

Robert Lucander bezieht für sein Gemälde das Zimmer in Gänze mit ein: Er kickte aus den verschiedenen Ecken des Raums mit Farbdosen. Deren Inhalt verteilte sich mal großflächig, mal spritzend auf dem Linoleum-Boden und den Wänden. An der Wand hängt passend zum Fußballmotiv eine jubelnde Angela Merkel mit schwarz-rot-goldenem Gesicht.

Den Gartensaal und das Nebenzimmer teilen sich Erik Schmidt und Ruprecht von Kaufmann. Beide haben Bilder gemalt, die sich auf verschiedene Weise dem gleichen Thema widmen. Erik Schmidt beschäftigt sich zu einem aktuellen Anlass der „Revolution“ t. Er hat 2011 die Occupy-Bewegung in New York beobachtet und zeigt auf pastosen Ölgemälden in hellen Farben freundlich wirkende Demonstrierende. Ruprecht von Kaufmanns Bilder wirken dagegen düster und gefährlich. Ein um die Ecke hängendes Gemälde zeigt ein weißes Schiff, das auf dunklem Grund in der Dunkelheit fährt. Nur ein fahler Mond scheint die Szene etwas zu erleuchten, auf dem Deck liegt ein großer, toter Fisch. Düstere und melancholische, surrealistische Arbeiten stehen im Saal den hellen Bildern der Demonstrierenden gegenüber.

Im Gegensatz zu der friedlichen Demonstration bei Schmidt, findet sich bei Alicja Kwade ein regelrechter Steinwurf. Im Fenster ihres gestalteten Raums hängt ein großer Stein mitten in der Scheibe, scheinbar im Flug gefangen, zweigeteilt von der Künstlerin an das Fenstergebannt. An der gegenüberliegenden Wand hängt eine Uhr, die sich als Ganzes gegen den Uhrzeigersinn dreht, deren Zeiger aber vorwärts laufen. Durch die entgegengesetzte Bewegung von Zeiger und Uhr wirkt das Werk wie ein Stillstand, der die Zeit einfriert.

In einem abgedunkelten Raum nebenan läuft in Dauerschleife der Film von Smadar Dreyfus und Lennaart van Oldenborgh. Sie haben in einer 360-Grad-Aufnahme die Szenerie am Strand zwischen Tel Aviv und Jaffa festgehalten. Der Schwenk zeigt Menschen beim Picknick, beim Baden und Spazierengehen. Der Sonnenuntergang färbt die Szene zunehmend dunkel.

Im Garten des Schlosses steht das Werk von Markus Keibel. Mit seiner zweiteiligen Arbeit unternimmt er eine Kritik der  modernen Informationsgewinnung und zieht dazu den Brockhaus heran. Mit der Asche von 18 Bänden der Enzyklopädie färbte er Glaskolben und erschuf Schüttbilder. Die Glaskolben wirken aufgestellt in einem Metallständer im idyllischen Schlossgarten wie überdimensionierte Reagenzgläser.

Die Besucher/innen, die mit der Besichtigung im Garten enden, haben allen Grund bei einem gemütlichen Imbiss und im Gespräch mit anderen Gästen die Ausstellung auf sich wirken zu lassen. Viele lokale und regionale Betriebe und Vereine sorgen für das leibliche Wohl der Besucher/innen. Der Garten lädt zum Verweilen oder zum Gespräch ein. So bieten die Strickomis aus Roskow nicht nur selbstgebackenen Kuchen an, sondern stricken direkt vor Ort im Schlossgarten und erzählen gerne dazu, was oder für wen sie gerade stricken. Vor dem Eingang des Schlosses lädt dazu noch das kleinste Theater der Welt  Schaulustige ein. In einem als Dorftheater umgebauten Bauwagen führt Daniela Klein und Reimund Gross Stücke vor – jeweils vor einem sehr ausgewählten Publikum von höchstens acht Zuschauenden.

Aufmerksame Besucher/innen werden bemerkt haben, dass die  Ausstellung noch nicht vollendet ist: Ein Kunstwerk ist noch unvollständig. Die Künstlerin Nezaket Ekici wird ihre Performance „Permanent Words“ am 07. August 2014 in Potsdam präsentieren. Diese wird aufgenommen und anschließend im Schloss als Installation und Videopräsentation gezeigt. Für die Performance hängt sie kopfüber bekleidet mit einem Tschador und liest Zitate zum Rollenbild der Frauen im Islam vor. Ihre Stimme wird durch die Anstrengung zunehmend hörbar geschwächt, die Blätter mit den bereits vorgelesenen Zitaten lässt sie fallen, sie gleiten langsam durch die Luft, wie ein Teil von ihr, der von ihr nach und nach abfällt.

 

Noch bis zum 21. September hat die XX. Rohkunstbau-Ausstellung geöffnet und lädt dazu ein, sich auf ein ganz besonderes Erlebnis der Kunst sowie der Brandenburger Geschichte und Architektur einzulassen. Die Ausstellung und das Schloss sind immer samstags und sonntags von 12-18 Uhr geöffnet.

 

Alle Informationen unter www.rohkunstbau.de

2 Kommentare

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Martina Tinney

wunderschönen guten tag, nach allem herum-clicken fand ich (oder sehe ich nicht richtig ?) keine adresse zum schloss roskow. weder im berliner abendblatt ... nur der hinweis auf ihre web-adresse - und auch da, hmmm ???
hg martina tinney

danielak

Liebe Martina Tinney,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Im Artikel steht tatsächlich kein Ort - die genaue Adresse lautet: Schloss Roskow, Dorfstr. 30, 14778 Roskow.
Informationen zum Schloss, die Adresse und Anfahrtswege finden Sie auf der Rohkunstbau-Seite unter Ort und Organisatorisches.
Viele Grüße,
Daniela Krebs