Daemonisierung der Anderen

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Die  aktuelle Debatte in Politik und Gesellschaft  über Flucht und Migration hat gezeigt, dass offener Rassismus (wieder) salonfähig ist. Es wird gegen  Muslime und Geflüchtete gehetzt und  ein Nationalismus propagiert, der zur Abschottung führt. Dazu kommt die Sehnsucht nach staatlicher Autorität und  einer homogenen „Gemeinschaft“, die Sicherheit verspricht. Die Debatten zeigen, wie groß in Europa die Bereitschaft ist, in Denk- und Handlungsweisen an rassistische Deutungs- und Urteilsmuster anzuschließen. Der „Dämonisierung des Anderen“ kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Personengruppen werden aufgrund ihres Glaubens, einer vermeintlichen Kultur oder Abstammung als “Andere“ konstruiert, abgewertet und ausgegrenzt. Neu ist das nicht. So werden langlebige Vorurteile des Antisemitismus oder wirkungsvolle rassistische-orientalische Bilder der Kolonialzeit aufgegriffen und instrumentalisiert. Die Angst vor „dem Anderen“ zu schüren,  ist ein nützliches Mittel, um die eigenen Vorrechte und Privilegien zu schützen, wenn die soziale Ordnung scheinbar ins Wanken gerät.

Die Veranstaltungen, Themen und Referent/innen im Überblick:

"Die Angst vor dem Anderen – Wirkungsweisen und Strukturen von Ausgrenzung" - Prof. Dr. Vassilis Tsianos

Fluchtbewegungen lösen in der europäischen Mehrheitsbevölkerung ein Gefühl der Bedrohung aus. Genutzt hat diese Angst vor allem rechtspopulistischen Organisationen. Sie beschwören den Untergang des Abendlandes durch den Zuzug Geflüchteter und schüren diffuse Ängste in der Bevölkerung – vor sozialem Abstieg, vor Islam, Machtverlust oder Globalisierung.  Mit dem Politikwissenschaftler Vassilis Tsianos  sprechen wir über die „Angst vor dem Anderen“. Wie werden „Andere“ in der gesellschaftlichen Debatte um Migration und Integration konstruiert? Welche Funktionen haben diese Konstruktionen in der Debatte?  Welche Vorurteile und Bilder stützen abwertende Einstellungen in der Gesellschaft? Wie kann der „Angst vor dem Anderen“ begegnet werden?

Prof. Dr. Vassilis Tsianos, Professor für „Soziale Ungleichheit und Methoden der empirischen Sozialforschung“ an der HAW, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u.a. Gesellschaftstheorie, Rassismuskritik, Migrations- und Grenzforschung sowie Social Media und Migration.

Veranstaltungsdatum:
Donnerstag, 12.10.2017
18 Uhr

Veranstaltungsort:

Stadtteilladen Neu Schmellwitz
Zuschka 27, 03044 Cottbus

Der Eintrag im Kalender der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

 

"Alte Bilder – neue Feindschaft? - Antisemitismus heute" – Dr. Juliane Wetzel

Antisemitismus wurde in der deutschen Debatte lange Zeit vorrangig im Kontext der NS- Vergangenheit  diskutiert. Doch halten sich antisemitische Einstellungen hartnäckig.  Israelkritik vor allem in Verbindung mit dem Nahostkonflikt wird oft als Deckmantel für offenen Antisemitismus verwendet. Neben alltäglichen Beleidigungen, die Juden in Deutschland erfahren, gibt es Anschläge auf Synagogen, und viele jüdische Einrichtungen stehen in Deutschland unter Polizeischutz. Auch tritt Antisemitismus unter dem Zeichen der Einwanderungsgesellschaft als scheinbar neue Herausforderung auf, wenn antisemitische Einstellungen pauschal bei Migrant/innen oder Geflüchteten aus muslimischen Ländern verortet werden.  Besonders das Internet und die sozialen Medien schaffen zudem einen neuen Resonanzraum für alte Vorurteile und Verschwörungstheorien, denen eine jüdische Weltverschwörung zu Grunde liegt. Mit  der Historikerin Juliane Wetzel sprechen wir über Kontinuitäten und Entwicklungen der Konstruktion des Juden im Antisemitismus. Welche Vorurteile werden heute noch mobilisiert und woher kommt der Hass auf Juden? Wie steht es um antisemitische Einstellungen in der „Mitte“ der Gesellschaft und wie nehmen Betroffene den aktuellen Antisemitismus wahr? Welche zivilgesellschaftlichen Möglichkeiten bestehen zur Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus?

Dr. Juliane Wetzel ist Historikerin und Mitarbeiterin des Zentrum für Antisemitismus an der TU Berlin. Sie ist Mitglied des Zweiten Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus.

Veranstaltungsdatum:
Donnerstag, 9.11.2017
18 Uhr

Veranstaltungsort:

Synagoge Cottbus
Schlosskirchplatz,03046 Cottbus


Der Eintrag im Kalender der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

„Konstruktion des Anderen - Intersektionale Perspektiven auf Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus“ - Dr. Zülfukar Çetin

Die Konstruktion eines „Anderen“ ist ein Kernbestandteil von Rassismus. Mithilfe naturalisierter Gruppenkonstruktionen werden Einstellungen gefestigt, dass Menschen aufgrund ihrer Abstammung, Religion oder Kultur mehr oder weniger wert wären als andere. Die Zugehörigkeit zu den „Anderen“ wird im Alltag besonders häufig über die Hautfarbe oder Aussehen hergestellt. Schwarze Menschen erfahren Rassismus im Alltag in Speisekarten, Kinderbüchern und an Straßenschildern. Rassistische Zuschreibungen speisen sich noch heute aus Bildern und Vorurteilen der Kolonialzeit. In ähnlicher Weise werden in der aktuellen Debatte gerade Muslime Ziel von rassistischen Zuschreibungen - eine Debatte, die  Parallelen zum Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts aufweist. Mit dem Politikwissenschaftler Dr. Zülfukar Çetin sprechen wir über die Konstruktion des „Anderen“ als Gegenbild und Wesensmerkmal von Rassismus. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede verbinden die Konstruktion der Figuren „Schwarzer“, „Jude“ und „Muslim?“ Welche grundlegenden Strukturen sozialer Exklusion lassen sich nachzeichnen? Welche Wechselwirkungen sowie Projektionen auf die jeweils anderen Minderheiten gibt es? Wie können intersektionale Perspektiven helfen, Rassismus die Stirn zu bieten?

Dr. Zülfukar Çetin arbeitet an der Universität Basel im Department Geschichte und lehrt an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin im Bereich Soziale Arbeit. Seine Doktorarbeit zu Homophobie und Islamophobie wurde 2014 im Rahmen des Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahrs mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Er publizierte 2015 gemeinsam mit Savaş Taş das Interviewband „Gespräche über Rassismus. Perspektiven & Widerstände (Verlag Yilmaz-Günay)" und 2016 das Buch "Schwule Sichtbarkeit, schwule Identität. Kritische Perspektiven (gemeinsam mit Heinz-Jürgen Voß beim Psychosozial Verlag)".  Zurzeit ist er Vorstandsmitglied und Sprecher des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg.

Mehr Informationen über den Autor und seine Publikationen finden Sie hier.

Veranstaltungsdatum:
Dienstag, 21.11.2017
18 Uhr

Veranstaltungsort:

Soziokulturelles Zentrum, R. 1.05
Zielona-Gora- Str. 16, 03048 Cottbus


Der Eintrag im Kalender der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

"Frauenfeindlicher Islam? Islamischer Feminismus!" -May Zeidani Yufanyi und Projekt „Rights under the veil“ (Bellali & Chimera)

Kaum eine gesellschaftliche Debatte im Kontext von Migration und Interkulturalität, die nicht die Geschlechterfrage als Gradmesser gelungener Integration aufwirft. Dabei wird die vermeintliche Frauenfeindlichkeit des Islam als Argument in Stellung gebracht, um Abschottung gegenüber Migration und Islam zu rechtfertigen. Doch ebenso wenig wie es "den Islam" gibt, kann von einheitlichen islamischen Geschlechterbildern die Rede sein. Mit der Sozialwissenschaftlerin May Zeidani Yufanyi sprechen wir über die Verbindung von Sexismus und Rassismus. Welche Funktionen haben Bilder eines frauenfeindlichen Islam und wie können sie entkräftet werden? Zusätzlich sprechen wir mit den Gründerinnen des transmedialen Projekts „Rights under the veil – Frauenrechte unter dem Schleier“. Sie zeigen, dass islamischer Feminismus kein Widerspruch in sich und ebenso vielfältig und lebendig ist wie die unterschiedlichen Lebensrealitäten vieler muslimischen Frauen in Deutschland und weltweit. Wie kann eine größere Sichtbarkeit für deren Positionen hergestellt und unterstützt werden?

Prof. Schirin Amir-Moazami kann den Vortrag nicht, wie geplant, halten und wird durch durch May Zeidani Yufanyi vertreten.

May Zeidani Yufanyi ist Sozialwissenschaftlerin; in ihrer Arbeit beschäftigt sie sich u.a mit postkolonialen Migrationsgesellschaften in Europa, Asyl- und Migrationspolitik sowie Identitätsfindungsprozessen im Kontext von palästinensischen und israelischen Gesellschaften. Als Women of Colour, Migrantin und Palästinenserin spielen intersektionale Ansätze eine zentrale Rolle in ihrer Arbeit. Sie ist außerdem seit 2005 Aktivistin der „Karawane für die Rechte der MigrantInnen und Flüchtlinge“ und Mitglied von „The VOICE Refugee Forum“ seit 2007. Zurzeit arbeitet Frau Zeidani Yufanyi bei Inssan e.V als Koordinatorin des Projekts „Nicht ohne meinen Glauben“, in dem die bis jetzt erfolgreiche Antidiskriminierungsarbeit des Vereins erweitert wird

 

Johara Bellali und Roberta Chimera sind Initiatorinnen  der Initiative „Rights under the veil – Frauenrechte unter dem Schleier“

 

Veranstaltungsdatum:
Dienstag, 5.12.2017
18 Uhr

Veranstaltungsort:

Frauenzentrum,
Thiemstr. 55, 03050 Cottbus


Der Eintrag im Kalender der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

Die Dämonisierung der Anderen

Rassismuskritische Analysen zu aktuellen Entwicklungen von Abwertung und Ausgrenzung in der Gesellschaft.

Die Veranstaltungsreihe beleuchtet verschiedene Dimensionen der aktuellen Ausgrenzungsmechanismen und Abwertungsdiskurse, erklärt wie diese entstehen und sucht nach Gegenstrategien.

Die Veranstaltungsreihe findet im Rahmen des Projektes „CUCHA - Cultural Challenges. Fairness und Verantwortung für unsere Kommunen“ der Heinrich-Böll- Stiftung Brandenburg und in Kooperation
mit der Stadt Cottbus statt und wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU kofinanziert.

Die Veranstaltungsreihe findet im Rahmen des Projektes „CUCHA - Cultural Challenges. Fairness und Verantwortung für unsere Kommunen“ der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg und in Kooperation mit der Stadt Cottbus statt und wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU kofinanziert.