Thema

XXII. Rohkunstbau - Zwischen den Welten - Between the Worlds

Mit der diesjährigen Themenwahl lenkt ROHKUNSTAU den Blick auf die Situation von Kindern und Jugendlichen im 21. Jahrhundert. Die Ausstellung mit dem Titel „Zwischen den Welten – Between the Worlds“, mit elf Künstlern und Künstlerinnen, ist ausdrücklich der UN-Kinderrechtskonvention (Convention on the Rights of the Child, CRC) gewidmet. Die Grundidee einer internationalen Festlegung von Standards zum Schutz der Kinderrechte und des Kindeswohls reicht in die Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg zurück, als in Mitteleuropa zahllose Kinder schlimme Not litten.


Trotz der von 195 Staaten unterzeichneten UN-Kinderrechtskonvention und laufender Erweiterungen, zum Beispiel um Zusatzprotokolle gegen Kindersoldaten, Kinderhandel und Kinderprostitution, ist die Lage vieler Kinder gegenwärtig dramatisch schlecht. Heranwachsende werden in modernen Arten von Sklaverei ihrer Kindheit und Jugend beraubt, durch terroristische Ideologien verführt oder sind humanitären Katastrophen ausgeliefert. Ikonisch geworden ist das Foto des dreijährigen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi, der im vergangenen Jahr tot am türkischen Strand angeschwemmt wurde.


Durch die ausdrückliche Bezugnahme auf moralische Rechte und Pflichten, die zu oft unberücksichtigt bleiben, bewegt sich die diesjährige ROHKUNSTNBAU-Ausgabe bewusst in einem Spannungsfeld. Kunst gilt gemeinhin als ein Bereich der Regelfreiheit, der durch nichts eingeschränkten Kreativität und der Unvorhersehbarkeit. Wie kann sich Kunst da an Normen orientieren? Andererseits ist in der Kunst seit geraumer Zeit eine Verschiebung vom Ästhetischen zum Ethischen zu beobachten. Eine Vielzahl von Künstler/innen stellt heute soziopolitische Themen ins Zentrum, bearbeitet brennende Fragen der Gegenwart oder verbindet in Interventionen Kunst und politisches Engagement.


Die Künstler und Künstlerinnen von „Zwischen den Welten – Between the Worlds“ setzen in ihren Beiträgen bei eigenen Kindheitserfahrungen an (Arne Schreiber bei seiner DDR-Kindheit, Jia beim Getrenntsein von den Eltern: Die Künstlerin wuchs wie Millionen anderer chinesischer Kinder bei den Großeltern auf) und bei der Situation von Kindern in der Gegenwart, beispielswiese im syrischen Kriegsgebiet (Ammar al-Beik, Hamid Sulaiman) oder im Nigerdelta (Sokari Douglas Camp).


Kindheit und Jugend besitzen für die künstlerische Bearbeitung einen hohen Reiz: Nicht nur, weil jeder Künstler selbst einmal Kind war und aus eigenem Erleben schöpfen kann, sondern auch, weil Kindheit und Kunst ausgezeichnet sind durch Beweglichkeit, Freiheitsdrang und einen unverstellten Blick auf die Welt.

 

 

 

 

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