Rohkunstbau

Grid image Foto: Ulf Meyer zu Kueingdorf

XXII. Rohkunstbau - Zwischen den Welten - Between the Worlds

10. Juli 2016 – 18. September 2016, Schloss Roskow
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 12-18 Uhr
Eröffnung: 09. Juli 2016, 15.00 Uhr

Die XXII. ROHKUNSTBAU Ausstellung schließt an ein Statement von Kofi Annan, dem früheren UN-Generalsekretär, an. Dieser sagte: „Nichts ist heiliger als der Schatz, den die Welt mit Kindern besitzt. Nichts ist wichtiger als sicherzustellen, dass die Rechte von Kindern respektiert werden, dass ihr Wohlergehen garantiert ist, dass sie frei von Angst und Entbehrung leben und in Frieden aufwachsen können.“ Die Themenausstellung im Kulturschloss Roskow fragt nach Kindheit als besonderem Bewusstseinszustand, als fragile und gefährdete Daseinsform und zugleich als individuelles politisches Recht, wie es die UN-Kinderechtskonvention seit 1989 festschreibt.

Der Titel „Zwischen den Welten – Between the Worlds“ lässt sich zum einen metaphorisch auf die zeitliche Übergangsphase von der Kindheit und Jugend zum Erwachsenenalter beziehen, eine Inkubationszeit, die sich heutzutage immer mehr auszuweiten scheint, Stichwort: „Infantilisierung der Gesellschaft“. Zum anderen lässt der Titel auch an die konkret „zwischen den Welten“ irrenden Flüchtlingstrecks denken, zu denen viele Kinder und Jugendliche gehören. Für sie bedeutet der Aufbruch ins Ungewisse oft einen jähen Abbruch der Kindheit oder sogar des Lebens.

Elf Künstler und Künstlerinnen aus unterschiedlichen Nationen und Kontinenten, Europa, Asien und Amerika, umkreisen auf Schloss Roskow, das nach dem Zweiten Weltkrieg eine Weile Flüchtlingsunterkunft war, Lebens- und Gefühlswelten der Kinder des 21. Jahrhunderts. Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Videos und Multimediaarbeiten drehen sich um Phantasiereisen und Traumwelten, um heitere Spiele und „Serious Games“, um Wandel, Abschiede und rites de passage. Dabei knüpfen die Künstler/innen an eigene Kindheitserinnerungen an.

Grid image Foto: ®Daniel Mera_Courtesy Angela de la Cruz and CarrerasMugica (Bilbao)
Grid image Foto: © Hamid Sulaiman - Courtesy Galerie Crone and Nour Wali

Neben Neuentdeckungen begegnen den Besucher/innen der Ausstellung bekannte Namen wie Angela de la Cruz, spanische Bildhauerin und Objektkünstlerin, die 2010 für den Turner Preis nominiert war, oder Hamid Sulaiman, der syrische Comiczeichner, der als Chronist des Arabischen Frühlings Popularität erlangte. Die chinesische Konzeptkünstlerin und Kalligraphin Jia konfrontiert in ihrem Beitrag „Mini-Shop“ bei „ROHKUNSTBAU“ in berührender Weise mit dem Schicksal „zurückgelassener Kinder“.

Schätzungsweise 60 Millionen chinesische Kinder von Wanderarbeiter/innen wachsen fernab ihrer Eltern auf, weil das seit den 1950er-Jahren bestehende „Hukou System“ sie an ihre Heimatprovinzen bindet. Nur dort können sie die Schule besuchen. Auch Jia wuchs bei den Großeltern auf. Als wundersamen Ort „zwischen den Welten“ der Schule und des Zuhauses empfand sie Mini-Shops, in denen Kinder für kleines Geld Süßigkeiten bekommen und das Gefühl des „Zurückgelassenseins“ für kostbare Momente weggewischt erscheint. Im Schloss Roskow eröffnet die mittlerweile in Berlin beheimatete Chinesin einen dieser magischen Mikroshops.

Für die Kinder in Ammar al Beiks Video „La dolce Siria“ schieben sich Kinder- und Erwachsenenwelt bedrückend ineinander: Während die Kinder in einem Vorgarten mit einer alten Kamera hantieren, hört man im Hintergrund dumpfe Bombenexplosionen. Für die alten  jüdischen Damen, die Clemens Krauss für seine Videoarbeit „Berliner Runde“ interviewte, ragen indes kleine Freuden hervor, wenn sie an ihre Kindertage zurückdenken, die Schatten scheinen in tiefere Seelenschichten verkramt.

Der kubanisch-amerikanische Fotograf, Videokünstler und Zeichner Anthony Goicolea spielt in narzisstischen Selbstporträts Szenen aus Kindheit und Adoleszenz in einer Mischung aus Humor und Horror durch, während die farbenfrohen Malereien von Ryan Mosley, Peter Stauss und Edouard Baribeaud von ambivalenten Figuren bevölkert sind und die Phantasiewesen der nigerianischen Bildhauerin Sokari Douglas Camp zwischen schamanistischen Transformationsriten und der populären Film- und Spielewelt angesiedelt erscheinen.

Nur noch eine flüchtige Erinnerung sind die Badeurlaube mit der Familie an der Ostsee, die die Eltern mit Super-8-Kamera festhielten. Der Potsdamer Künstler Arne Schreiber verwischt die verblassten Bilder seiner DDR-Kindheit mit flirrenden Linien noch weiter, bis sie sich in optisches Rauschen auflösen und sich Assoziationen von Ertrinken, aber auch von Schwerelosigkeit einstellen.

„Reise, Abenteuer, neue Welten, Phantasiewelten, Unterwelten, Zwischenwelten gehören in das Repertoire der Kinderbücher und der Kinderliteratur. Die Kindheit in Gesellschaften, die von Armut und Krieg geprägt sind, sieht jedoch ganz anders aus als die in liberalen westlichen Gesellschaften. Kinder und Jugendliche, die in Armut leben, Hunger, Kinderarbeit oder Krieg erleiden, erfahren eine gehemmte und oft ungesunde Entwicklung, und die bereichernden Erlebnisse der Kindheit werden nicht Teil ihres alltäglichen Lebens.“ (Mark Gisbourne, Kurator)

Beteiligte Künstler/innen der XXII. ROHKUNSTBAU Ausstellung:

1.    Ammar al Beik (Syrien)
2.    Edouard Baribeaud (Frankreich)
3.    Sokari Douglas Camp (Nigeria/ Großbritannien)
4.    Angela de la Cruz (Spanien)
5.    Anthony Goicolea (Kuba/ USA)
6.    Jia (China)
7.    Clemens Krauss (Österreich)
8.    Ryan Mosley (Großbritannien)
9.    Arne Schreiber (Deutschland)
10.    Peter Stauss (Deutschland)
11.    Hamid Sulaiman (Syrien)

Weitere Informationen auf www.rohkunstbau.de

Rohkunstbau

Seit 1994 steht die Ausstellung Rohkunstbau für leidenschaftliches Engagement bei der Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur genauso wie für die Wiederentdeckung und Neubelebung fast vergessener Kulturstätten in den ländlichen Regionen Brandenburgs.

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Aktuelles

10. Juli 2016 – 18. September 2016, Schloss Roskow
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 12-18 Uhr
Eröffnung: 09. Juli 2016, 15.00 Uhr

 Philipp Lachenmann, Pleyades Series (Polyeder_3), 2015

Vom 21. Juni 2015 bis 06. September 2015 ist die Ausstellung Rohkunstbau zum Thema „Apokalypse“ zu sehen. Auf Schloss Roskow im Landkreis Potsdam-Mittelmark werden vor historischer Kulisse weitgehend ortsspezifische Arbeiten von elf Künstler/innen aus acht Nationen gezeigt.

Die Ausstellung XX. Rohkunstbau „Revolution“ fand vom 06. Juli bis zum 21. September 2014 auf Schloss Roskow im Landkreis Potsdam-Mittelmark statt und folgt den Ausstellungen der vergangenen Jahre zu den Themen „Macht“ und „Moral“

Begrüßungsreden zur Ausstellungseröffnung mit Mark Gisbourne (Kurator), Ulrike Grelck (Co-Kuratorin), Inka Thunecke (Geschäftsführerin Heinrich-Bölll-Stiftung Brandenburg), Dr. Arvid Boellert (Gründer Rohkunstbau) und Schlossherr Bodo Krug von Nidda. (v.l.n.r.)
von

Eingetaucht in strahlenden Sonnenschein wurde am 05. Juli 2014 die  Jubiläumsausstellung zum 20. Rohkunstbau auf Schloss Roskow eröffnet. Rund 500 Besucherinnen und Besucher kamen zur Vernissage in das beschauliche Dorf, um sich vor der malerischen Kulisse des Schlosses und Schlossparks die Arbeiten der internationalen Künstler/innen zum diesjährigen Thema „Revolution“ anzuschauen.

Zwei Jahrzehnte Rohkunstbau – Zeit für eine "Revolution": Die zwanzigste Jubiläumsausstellung findet in diesem Jahr vom 6. Juli bis 21. September 2014 im Schloss Roskow statt und behandelt das Thema "Revolution".