Tagung "Angst wovor? Über Fremdheit, Unsicherheit, Populismus, Kulturrassismus"

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Die „Angst vor dem Fremden“ prägt derzeit viele Diskussionen in den Medien und der Politik. Besonders zeigt sie sich, wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen in den Kommunen geht, sowie gerade aktuell an den Protesten von PEGIDA, selbst ernannten patriotischen Europäer/innen, die Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes haben. Die Menschen, die sich dort beteiligen, sehen sich oft als „besorgte Bürger/innen“, die Parolen und Forderungen sind Ausdruck diffuser Ängste gepaart mit  antimuslimischem Hass und diskriminierenden Äußerungen.

Am Freitag, den 12. Dezember 2014, ging die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg in Potsdam mit der Tagung „Angst wovor? Über Fremdheit, Unsicherheit, Populismus, Kulturrassismus“ der Frage nach, was dieser Angst zugrunde liegt, wo die Grenzen zu rassistischen und diskriminierenden Äußerungen sind und wofür Willkommenskultur in Brandenburg steht.

 

Klaus J. Bade: Kulturrassismus und Willkommenskultur

Der Migrationsforscher und Publizist Klaus J. Bade ging in seinem Vortrag speziell auf den Widerspruch zwischen Willkommenskultur und Kulturrassismus ein. Beide seien in der Gesellschaft und in der Diskussion vertreten, wobei er nachzeichnete, dass Rassismus jeglicher Form die Etablierung einer Willkommenskultur ausschließe.

Bade beschrieb, dass sich Rassismus in der heutigen Debatte nicht mehr rassenbiologisch begründet, sondern mit den Kategorien Kultur und Religionszugehörigkeit verbunden wird. Dieser richte sich besonders gegen den Islam und Muslime, sowie als „Armutsflüchtlinge“ wahrgenommene Sinti und Roma, und Flüchtlinge.

Der gesamte Vortrag von Klaus J. Bade

 

Madlen Preuß: Willkommen? Über Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit

Madlen Preuß arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld und hat aktuell an der Pilotstudie „ZuGleich. Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ mitgearbeitet. Die Studie ist ein Nachfolgeprojekt zur Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ und untersucht ebenfalls die Einstellungen, Meinungen, Gefühle und Vorstel­lungen der Bundesbürger/innen gegenüber einer Reihe von Grup­pen, die in der Gefahr stehen, diskriminiert zu werden.

Preuß stellte zentrale Ergebnisse der Studie „ZuGleich“  vor. Die Studie geht der Frage nach, wie es tatsächlich um die Willkommenskultur und kulturelle Offenheit in Deutschland steht..  „Es gibt eine mangelnde Integrationsbereitschaft der deutschen Mehrheitsbevölkerung“, kritisierte Preuß. Anpassungsbemühungen würden laut Befragung insbesondere von Migrant/innen abverlangt, nicht von der Gesamtgesellschaft. Und etwa ein Drittel der Befragten argumentierten im Sinne von Etabliertenvorrechten („Wer irgendwo neu ist bzw. später hinzukommt, der sollte sich erstmal mit weniger zufrieden geben.“).

Das bisher veröffentlichte Handout der „ZuGleich“-Studie finden Sie hier

 

In einer Podiumsdiskussion wurde anschließend diskutiert, wie die Willkommenskultur in Brandenburg gestaltet ist.

Auf dem Podium saßen Gabi Jaschke, Mitarbeiterin beim Flüchtlingsrat Brandenburg, Annie Amadu von der Initiative Women in Exile, Svenna Berger vom antifaschistischen pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V., und Nadja Hitzel-Abdelhamid von der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg.

 

Die Tagung "Angst wovor?" war die Abschlusstagung des Projektes MOSAIK - Märkische Orte für soziale, arbeitsmarktpolitische und interkulturelle Kompetenz.

 

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