Doing Culture - Living Values of Democracy

Interkulturelle Themen im Film

Die Filme werden in Kooperation mit dem Filmfestival Cottbus in verschiedenen brandenburgischen Städten vorgeführt. Wie leben wir zusammen? Warum wandern Menschen von einem Land in das Andere? Warum verlassen sie Ihre Heimat? Wie leben Sie in der Fremde und bauen sich eine neue Heimat auf? Wie kommen sie auf dem Mond „Deutschland“ an? Wie werden sie aufgenommen? Interkulturelles Zusammenleben fordert uns alle. Filme, die uns Geschichten über uns und unsere neuen Mitbürger erzählen, werden gezeigt. Für Filmgespräche stehen die Macher und Protagonisten im Anschluss zur Verfügung.

Wir leben nur noch in einer Welt zusammen. Die Globalisierung durchdringt unseren Alltag. Mit Internet, MTV  und Satellitenfernsehen ist die Welt zum viel zitierten „globalen Dorf“ geworden. Doch gleichzeitig ist die Welt schon lange in unseren Dörfern, Kiezen und Wohnvierteln angekommen – nicht nur in Form von russischem Erdgas, chilenischen Äpfeln und dem aus Irland importierten „Halloween“-Fest. Unser Alltag ist von anglifizierter Behördensprache, mediterranen Speisekarten und asiatischen Kampfsportarten geprägt. Das tägliche Miteinander hingegen ist komplizierter und ausdifferenzierter geworden. Von „Parallelgesellschaften“ ist seit einigen Jahren die Rede. Die gab es freilich schon immer – zwischen Kirche und Partei, Volksmusik und Heavy Metal, Potzlow und Berlin-Pankow, Plattenbau und Einfamilienhaus liegen Welten, die von Vorurteilen durchzogen sind. Solche Klischees finden sich verstärkt im Dialog mit Angehörigen anderer Kulturen: von der „russischen Seele“ ist da die Rede, vom Samba im Blut brasilianischer Fußballstars und von „südländisch aussehenden Personen“ im Polizeibericht.

Kein Zweifel, der interkulturelle Flickenteppich, auf dem wir uns bewegen, verlangt von allen Beteiligten den Willen und ein wenig Geschick, an den Klischees vorbei zu gucken und nach tieferen Einsichten zu suchen. Die Filmreihe will einige der Hintergründe vermitteln, die MigrantInnen mitbringen und gleichzeitig einen Einblick in die Vielfältigkeit ihren Herkunftsländern geben. So treten in „Crossing the Bridge: the Sound of Istanbul“, dem Musikfilm von Fatih Akin, die verschiedenen Musikstile der türkischen Metropole in einen Dialog. „Einstürzende Neubauten“-Bassist Alexander Hacke ergründet die Musikszene am Bosporus, der türkischen Rockmusik, über Hip-Hopper bis zu Grunge-Rockern. Vom „Culture Recycling“ sprechen in diesem Zusammenhang Robert, Tatjana und Alen in „Balkan Beats Berlin“, drei Kriegsflüchtlinge aus unterschiedlichen Teilen des ehemaligen Jugoslawien, die in ihrem Berliner Exil vor dem Nationalismus ihrer Landsleute in Kreuzberger Szenekneipen geflohen sind. Die Sessions im Berliner „Mudd-Club“ sind inzwischen zur Legende geworden, das „Crossover“, wie der interkulturelle musikalische Dialog allenthalben genannt wird, hat sich als Erfolgsrezept erwiesen. Es ist ein Gegenkonzept zu der Geschichte von „Kiki & Tiger“ , bei der es um einen Kosovo-Albaner und einen Serben geht, deren Freundschaft am engstirnigen Nationalismus ihrer  Elterngeneration zu Bruch geht.

Die Filmreihe der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg startete auf dem Filmfestival Cottbus, dessen diesjähriger Programmteil „Regionaler Fokus“ mit dem Titel „after YU?“ überschrieben wurde. Nach dem Ende der Kriege im früheren Jugoslawien stehen die dortigen Gesellschaften vor der Aufgabe eines politischen und ökonomischen Neuaufbaus. Ethnisch motivierte Vertreibungen und wirtschaftlicher Kollaps haben im ganzen südöstlichen Europa zu enormen Wanderungsbewegungen geführt, kollektive Fluchten, die oft in Mitteleuropa endeten, während ein Teil des Herzens in der alten Heimat blieb. Die Jungen, in diesem Mitteleuropa aufgewachsen, kennen diese „alte Heimat“ oft nicht. Adil, Jonni, Elvis und Idris, die vier Jugendlichen in „Adil geht“, leben in Altenburg. Zwischen den schiefergedeckten Häusern in der thüringischen Provinz trainieren sie für einen Breakdance-Contest – bis sie die Nachricht erreicht, daß Adil ausgewiesen werden soll. Die Jugendlichen aus dem ehemaligen Jugoslawien organisierten in solchen Fällen „Abschiebeparties“ - sarkastischer Schlußpunkt einer unsicheren Gegenwart, vor dem Start in eine noch unsicherere Zukunft.

Schließlich kennen die meisten MigrantInnen ihr neues Heimatland kaum. Till Endemann gab seinem Spielfilm über die Konfrontation mit diesem Ungewohnten einen passenden Titel: „Mondlandung“. Eine Spätaussiedlerfamilie aus Kasachstan kommt nach Deutschland in der Hoffnung, dass hier alles besser werden würde. Im „Land ihrer Ahnen“ ist allerdings nichts, wie sie es sich vorgestellt hatten: nicht die Sprache, nicht das tägliche Miteinander und nicht die beruflichen Anforderungen.

Schließlich geht es auch um einen Deutschen im Exil: In „Am Ende kommen Touristen“ wird Sven, Zivildienstleistender aus Deutschland, auf eine Stelle in der Gedenkstätte Auschwitz versetzt. Dort wird er nicht nur mit der historischen Bedeutung des Ortes konfrontiert, sondern auch mit einem eigenwilligen KZ-Überlebenden und den Alltäglichkeiten des Gedenktourismus. Als er sich in die polnische Dolmetscherin Ania verliebt, lernt er ein Leben jenseits der Begegnungsstätte kennen. Doch wie sieht ein normales Leben in Oswieçim aus, einem Ort, an dem nichts normal ist?

 

Die Filmreihe ist Teil des Projektes "Doing Culture - Living Values of Democracy" und wird im Rahmen des Bundesprogrammes "Sonderprogramm: Beschäftigung, Bildung und Teilhabe vor Ort" gefördert.


Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und den Europäischen Sozialfonds.