Mittwoch, 25. Mai 2005 , um 19.30 Uhr
Nauener Tor (Westflügel), Friedrich-Ebert-Straße,  Potsdam

Unser Gast: Dr. Sigrid Graumann (Mitglied der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin")

Gentechnische Verfahren und Gendiagnostik - Auswirkungen auf die Biopolitik

Moderation: Inka Thunecke und Joachim Gessinger

Im vergangenen Herbst begann ein Gesetzentwurf zum Gendiagnostikgesetz zu kursieren. Das Gesetz war längst angekündigt, jedoch von der Koalition noch nicht eingebracht worden. Über Gendiagnostik können Erbkrankheiten festgestellt werden. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat diese Möglichkeiten erweitert. Welche Folgen hat es, wenn bekannt ist, welche Krankheiten ein Mensch hat oder haben wird, etwa unheilbare Krankheiten. Wird er zu den gleichen Bedingungen versichert wie andere,  bekommt er problemlos einen Job oder schrecken mögliche Arbeitgeber dann zurück, wenn sie über ein erhöhtes Krankheitsrisiko informiert sind? Das Gendiagnostikgesetz will Diskriminierung verhindern. Am Beispiel der demnächst anstehenden Ausweitung der DNA-Analyse im Bereich der Strafverfolgung und polizeilichen Ermittlungstätigkeit oder der geplanten Speicherung biometrischer Daten wird allerdings deutlich, wie prekär angesichts der wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten die Balance zwischen informationeller Selbstbestimmung und Schutz der Allgemeinheit geworden ist. Steht uns nun die Schattenseite moderner Informationstechnologien - die restlose informationelle Durchdringung des eigenen Körpers zum Zwecke der Heilung wie der Kontrolle ins Haus? Ist eine Ethik vorstellbar, die die zu erwartenden Konflikte beherrscht?

Wir haben für unsere Mittwochsgesellschaft Dr. Sigrid Graumann als Gast gewonnen. Sie ist Biologin und arbeitet am IMEW -Institut Mensch Ethik und Wissenschaft GmbH in Berlin. Sie ist Mitglied der Enquete-Kommission des deutschen Bundestages "Ehtik und Recht der modernen Medizin" und hat sich intensiv mit dem Thema 'Biopolitik und Geschlecht' auseinandergesetzt.