Mittwoch, 31. Mai 2006, um 19.30 Uhr
Potsdam, Wiener Café, Luisenplatz 4, 1. Stock

Unser Gast: Dr. Andreas Poltermann
Referent für Bildung und Wissenschaft der Heinrich-Böll-Stiftung (Berlin)

Wieviel Hochschule leisten wir uns in welchem Bundesland?

Moderation: Inka Thunecke und Joachim Gessinger 

Der Zustand der Hochschulen sei ein unbemerkter Skandal, den die Öffentlichkeit nicht erführe, so Lutz Hachmeister in der Mittwochsgesellschaft im März. Wir hören und lesen viel über Wissensgesellschaft, die Ressource Bildung, über mehr Studienplätze und notwendige Studienreformen. In den Hohlräumen dieser Diskurse verbergen sich ein fortschreitender Verlust an (auch baulicher) Substanz, strukturelle Unterausstattung, Überlast.
Nun drohen den Hochschulen die Auswirkungen der Föderalismusreform. Bildungspolitik gerät damit fast vollständig in den Verfügungsbereich der Bundesländer. Das Herausdrängen des Bundes aus seiner bisherigen Rahmenkompetenz hat weit reichende Folgen für Einheitlichkeit und Gleichwertigkeit im Hochschulbereich. Die einzelnen Länder tragen nun die Verantwortung für Bildungsplanung und Hochschulbau selbst. Dieser neue Provinzalismus bedroht das Hochschulwesen in Deutschland insgesamt und in den ärmeren Bundesländern verschärft.  Das in der deutschen Hochullandschaft ohnehin schon bestehende Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle wird sich verstärken, der Ausgang der Exzellenzinitiativen zeigt die Richtung an - hin zu einem zwei- oder dreiklassigen System von Eliteunis, Regionalanstalten und 'shit halls' mit jeweils unterschiedlich gestaffelten Studiengebühren. Heißt 'Studieren, wo andere Urlaub machen' (Werbung Uni Potsdam) in Zukunft 'Studieren, wo keiner hin will'? Weder Studierende noch ProfessorInnen? Wieviel Verlust an wissenschaftlicher und intellektueller Substanz, an qualifizierter Arbeitskraft verträgt eine Region wie die unsere?