Antje Blumenstein

Antje Blumenstein

Artist Statement

Meine künstlerische Arbeit erfolgt in Werkgruppen. Diese bedingen und befruchten sich gegenseitig. Zum einen sind gesellschaftspolitische Inhalte Ausgangspunkt, zum anderen kunstimmanente Fragestellungen. Ich bewege mich dabei in verschiedenen Medien. Malerei und Papierarbeiten rangieren gleichberechtigt zu Skulptur und Installationen.In den letzten Jahren haben sich zwei Schwerpunkte herausgebildet. Die konzeptionelle Auseinandersetzung der Darstellbarkeit von Raum mittels Linien. Hierbei ist ein gezielter Prozess, ein exaktes planvolles Arbeiten von Nöten. Dazu konträr, erfolgt die Erzeugung von Objekten mittels skulpturalen Handels. Dabei liegt der Fokus auf dem Prinzip des Zufalls und den Bedingungen des verwendeten Materials.

Beide Prinzipien sind Möglichkeiten schöpferischen Handelns, die verbunden mit meiner Neugier auf Erkenntnis und Selbstüberraschung, meine künstlerische Arbeit vorantreiben.

Konzept

Antje Blumenstein - Kulturelle Vielfalt erkunden

Kultur entsteht durch das soziale Gedächtnis einer Gemeinschaft.
Was bedeutet das?
Kultur bzw. kulturelle Zeichen sind geprägt durch Inhalte bzw. vereinbarte Zeichen und Zuschreibungen, die Mitglieder einer Gemeinschaft erfahren, festlegen und leben.
Eine Kultur ist nichts statisches, sie ist immer Veränderungen unterworfen. Diese entstehen durch die von der Gesellschaft festgelegten Regeln ebenso, wie durch die in der Gesellschaft lebenden Mitglieder. Über Jahrhunderte hinweg verändern sich diese Gesellschaften bzw. Kulturen, durch neue Zusammenschlüsse, Zu-und Abwanderung und nicht zuletzt natürlich auch durch kriegerische Auseinandersetzungen.
Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer Kultur ist Kollektivität. Also Kommunikation innerhalb einer Gruppe, die sich auf Zeichen, Sprache und Bilder begründet.

Doch wie erleben wir diese? Wie sieht das aus? Und was hat das mit Kunst zu tun?

Kunst ist seit Anbeginn der Versuch die umgebende Welt mittels Bildern zu erklären, Fragen aufzuwerfen oder auch eine eigene Vorstellung von Ideen aufzuzeigen, die innerhalb einer Gesellschaft existieren.

Der Workshop „Kulturelle Vielfalt“ versucht diesen Fragen anhand der Umwelt der Schüler, ihren Erfahrungen und Erlebnissen nachzugehen.
Denkbar dafür ist die Erarbeitung eines Wandbildes oder einer großen gemeinsamen Collage zu Bildern, Zeichen, musikalischen und textlichen Fragmenten aus der Erlebniswelt der Schüler.
Entsprechend dem Alter der Schülerinnen und Schüler kann dies in der klassischen Form der Collage erfolgen und sich ausweiten auf jegliche Materialien inclusive Tape.
Für die Altersgruppe der 15-16-Jährigen wäre auch die Erarbeitung eines Porträts ihrer musikalischen Idole als Zeichnung mit symbolischen Zuordnungen denkbar.

Beispiele die dafür im Kunstunterricht bzw. in einer Einführung zu Beginn des Workshops gezeigt werden können sind: Hannah Höch, George Grozs, Richard Hamilton, Martha Rosler - collage
Frida Kahlo – symbolisches Porträt, tape art convention Berlin, bzw. Einführung in tape art
zeitgenössiche Künstler zum Thema kulturelle Zeichen: Nevin Aladag, Gert und Uwe Tobias, Corinne Wasmuth

Gleichzeitig werden die Schülerinnen und Schüler in Vorbereitung des Projektes aufgefordert, mittels Fotos, Zeitungsausschnitten, und weiteren Materialien, Bilder, Labels, Zeichen sowie Sprach- und Textbeispiele ihrer Umgebung zu sammeln. Diese sollen als Grundlage zur Erarbeitung des Wandbildes dienen.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Kunstlehrerinnen und Kunstlehrern und dem Leitungspersonal der Schule wäre wünschenswert, um ein Projekt zu entwickeln, das die bisherige Lehrplanarbeit der jeweiligen Schule unterstützt und erfolgreich erweitert.

 

Biografie

Antje Blumensteins Arbeit gliedert sich in Serien und Werkgruppen, in denen neben unterschiedlichsten Materialien und Techniken auch verschiedene Themen und Fragestellungen behandelt werden. Diese Werkgruppen können unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden, so dass sie sich wie in einem Gespräch über lange Zeit wechselseitig beeinflussen und entwickeln können.
In ihren installativen Werkgruppen untersucht Blumenstein die grundsätzlichen Praktiken künstlerischer Entstehungsprozesse. Exemplarisch dafür stehen die Arbeiten der Serie lokal – eine Werkgruppe von 2012/13, die aus raumgreifenden, mit schwarzer PE-Folie ausgeführten Objekten besteht und die Entstehungsprozesse der Skulptur generell untersucht. In unzähligen Schichten wird bei diesen Objekten Folie über vorgefundenes Material gespannt und durch Einschnitte in einen unkontrollierbaren Vorgang entlassen. Die gespannte Folie beginnt sich über einen langen Zeitraum schrittweise zusammenzuziehen, so dass unerwartete Oberflächenstrukturen entstehen und darunterliegende Schichten sichtbar werden.
Diese Schichtung der Folie, die ihren Ursprung in den Installationen der Serie lokal fand, überträgt die Künstlerin in ihrer Malerei. Dabei überlagern sich einfache geometrische Flächen, die durch lasierende Farbschichten entstehen. Ihre Anordnung wird durch feine Linien aus den unteren Farbschichten sichtbar, die in den Vordergrund gerückt werden. Die linearen Oberflächen der Folien wiederum bildeten die Grundlage für eine Gruppe von strengen linearen Kompositionen aus gefalteten Papieren und transparenten Objekten aus Acrylglas. Hier ist der Zufall ausgeklammert, jedes Objekt wird vorab als Modell gebaut und davon nur eine geringe Auswahl präzise umgesetzt.
Im Gegensatz zu diesen genau komponierten Objekten steht eine Gruppe von transparenten Kunststoffobjekten, die in einem spontanen Wurfprozess in nicht mehr als 5 Sekunden entstanden sind. Hierbei geht es Blumenstein vor allem um die Sichtbarmachung von zeitlichen Abläufen. Während in den Installationen und Objekten der Serie lokal sich der Prozess, den sie durch das Anritzen der gespannten Folien auslöst, über viele Stunden ausweiten kann, zeigt sie jetzt gleichsam als Antipode diese Arbeiten, in denen Zeit als Moment verdeutlicht wird.
Blumenstein expliziert uns mit dieser Gegenüberstellung unterschiedliche Praktiken – den immer währenden Widerstreit zwischen Konzeption und gestischem Prozess. In ihren Arbeiten aus Papier dominieren Reduktion und eine klare formale Komposition. In der Werkgruppe der weißen Papierarbeiten „Five Lines“ sind stets fünf Linien erkennbar, die sich aus Falzungen und mit dem Bleistift aufgetragenen Linien ergeben. Räumlichkeit entsteht hier durch das Licht- und Schattenspiel der reliefhaften Oberflächen.

Quelle: Galerie Nanna Preußners