Flucht & Asyl

Mohammad Maarouf

Seit drei Jahren bin ich schon in Rathenow. Ich darf nicht arbeiten, nur warten, warten, warten!

Palästinensischer Geografie-Lehrer, Rathenow

Zipporah Njeri Waringa

Wie wahrscheinlich alle Mütter dieser Erde wünsche ich mir, dass es mein Kind einmal besser hat als ich!

Kenianische Friseurin & werdende Mutter, Rathenow

Arpad Nagy

Wir wollen gute menschliche Beziehungen zwischen einheimischen und ausländischen Menschen fördern!

Zerspanungsmechaniker ungarischer Herkunft & Mitglied im Hennigsdorfer Ausländerbeirat, Hennigsdorf

Abdullah & Rafeka Kabbani

Unsere syrische Heimat liegt in Trümmern. Rathenow ist sehr, sehr schön - und so friedlich!

Textilunternehmerehepaar, Rathenow

Fotos: Barbara Dietl

In erster Linie Menschen.

Flucht international.

Weltweit sind derzeit 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Diktaturen, politische Verfolgung, Kriege, bittere Armut und Umweltkatastrophen zwingen Menschen, ihre Herkunftsländer zu verlassen. Dass die Menschen keine Zukunft mehr in ihrer Heimat sehen, liegt auch an den globalisierten Zuständen dieser Welt, in die die sogenannten »Länder des Nordens« maßgeblich verstrickt sind. Hierzu zählen auch Deutschland und die anderen europäischen Staaten. Statt jedoch den Flüchtlingen Schutz zu bieten, werden die Grenzen rund um Europa hochgezogen und Gesetze erlassen, die es für Flüchtlinge quasi unmöglich machen, nach Europa zu gelangen. Wir werden damit weder unserer Verantwortung noch unserem eigenen moralischen Anspruch gerecht!

Asyl: Willkommen in Brandenburg?

Nur ein winziger, geradezu verschwindend geringer Bruchteil der weltweit geflüchteten Menschen gelangt überhaupt als Asylsuchende nach Brandenburg. Derzeit leben rund 6400 Asylsuchende und Flüchtlinge im Land Brandenburg – darunter sehr viele Kinder. Das sind nicht einmal 0,3 % der Gesamtbevölkerung. Ihre Hoffnungen auf ein Leben in Frieden und Freiheit, die Chance auf Bildung und eine Arbeitsstelle, Freundschaften und soziale Anerkennung sind zutiefst menschlich. Diese Hoffnungen werden hier aber häufig enttäuscht: Asylsuchende dürfen sich in Brandenburg nicht aussuchen, wo sie leben, sondern werden von staatlichen Stellen verteilt und verschoben. Sie werden in oft abgelegenen und überbelegten Sammelunterkünften untergebracht. Arbeiten ist ihnen verboten. Für Asylsuchende ist es auch keine Selbstverständlichkeit, sich von Ärzt/innen behandeln zu lassen, Deutsch zu lernen oder die Kinder in die Schule zu schicken. Die Residenzpflicht verbietet Asylsuchenden das Reisen über die Grenzen von Brandenburg und Berlin hinaus. Und sie können sich niemals sicher sein, dass ihr Fluchtgrund – sei die Situation in der Heimat auch noch so lebensbedrohlich – zur Anerkennung als Flüchtling führt. Vielerorts in Brandenburg wird Asylsuchenden inzwischen auch Unterstützung aus der Bevölkerung entgegengebracht. Vielerorts wird ihnen jedoch auch nach wie vor mit Misstrauen oder sogar Ablehnung begegnet.

Menschen & Menschenrechte.

Flüchtlinge sind Menschen, deren Leben in ihrem Heimatland wegen ihrer Ethnie, Religion, Nationalität, ihrer politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe in Gefahr ist. Ihre Rechte sind in der »Genfer Flüchtlingskonvention« geschützt. Dieser Vertrag wurde als Antwort auf die Millionen Flüchtlinge, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa umherirrten, beschlossen. Sowohl in Deutschland als auch in Europa werden die Erfahrungen mit Krieg und Vertreibung offensichtlich verdrängt. Wie sonst könnte das Grundrecht auf Asyl immer weiter beschnitten werden? Wie sonst könnte die europäische Flüchtlingspolitik zur Flüchtlingsabwehr verkommen? Es bedarf in Fragen von Flucht und Asyl dringend der grundlegenden Rückbesinnung auf die Menschenrechte.