Frauensache - Männersache

Monika Paulat

Es ist eine Führungsaufgabe, Potenziale zu erkennen und gerade auch Frauen ganz speziell zu motivieren und zu fördern!

Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg im Deutschen Juristinnenbund & Präsidentin des Deutschen Sozialgerichtstages & Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg a.D., Potsdam

Ute Vogel

Das Schönste ist, eine eigene Werkstatt zu haben!

Schuhmacherin, Witzke

Sandy Kias

Meine Arbeit erfüllt mich sehr. Jeden Tag lehren mich die Bewohnerinnen und Bewohner die Vielschichtigkeit des Lebens!

Leiterin Übergangswohnheim für Asylsuchende, Rathenow

Frank Herrmann

Von wegen ein bisschen auf Kinder aufpassen: Im Kindergarten geht es um richtig viel!

Erzieher in der Kita Sankt Martin, Biesenthal

 

Fotos: Barbara Dietl

 

Mach doch, was Du willst!

Schon viel erreicht.

Brandenburg hat in Sachen Gleichstellung von Männern und Frauen bereits viel erreicht. Gleichstellung – das heißt, dass Frauen wie Männer die gleichen Möglichkeiten haben, ihr Leben nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten. In vielen Punkten ist das auch schon Realität: Mädchen gehen zur Schule, studieren und können sich ihren Beruf genauso wie ihre Partner/innen frei wählen. Nie zuvor waren Frauen in Brandenburg auch beruflich so erfolgreich wie heute. Die Erwerbstätigenquote von Frauen zwischen 20 und unter 65 Jahren ist mit rund 75 % in Brandenburg vergleichsweise hoch (2013). Auch das Kinderbetreuungsangebot ist sehr gut ausgebaut, sodass sich Familie und Beruf im Vergleich zu anderen Bundesländern leichter vereinbaren lassen.

Noch viel vor.

Es gibt aber auch noch viel zu tun. Frauen verdienen noch immer weniger als Männer für vergleichbare und auch für die gleichen Arbeiten. Das war auch schon zu DDR-Zeiten so und hat nichts mit den Fähigkeiten von Frauen zu tun. Das hängt vielmehr mit Rollenmustern zusammen. Vielen Männern fällt es immer noch schwer, eine Frau als Chefin zu akzeptieren. Es liegt aber auch daran, dass Frauen sich und ihre Kompetenzen teilweise selbst unterschätzen und dass Frauen seltener ermutigt werden, Führungspositionen einzunehmen. Frauen kümmern sich – wie auch schon zu DDR-Zeiten – noch immer um den Großteil der Haus-, Familien- und Pflegearbeiten und haben deshalb weniger Zeit für ihre berufliche Karriere. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist also noch nicht erreicht!

Typisch?

In vielen Köpfen gibt es eine fixe Vorstellung davon, dass Frauen und Männer unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten haben. Daher rührt auch die Idee sogenannter typischer Frauen- und Männerberufe. Frauenberufe sind Vorurteilen zufolge häufig Büroarbeiten oder soziale Berufe wie Kinderbetreuung oder Altenpflege. Für Wirtschaft, Politik oder technische Berufe sind Frauen angeblich nicht gemacht. Ingenieurswissenschaften, Handwerk oder Management gelten weithin als typische Männersache. Gute Gründe gibt es dafür nicht! Die individuelle Lebens- und Berufsplanung sollte sich nicht an unbegründeten Rollenmustern orientieren. Viel wichtiger ist doch, welche Fähigkeiten, Wünsche und Träume der einzelne Mensch hat. Warum sollten Männer nicht auch gute Erzieher und Hausmänner sein? Warum sollten Frauen denn nicht als Schuhmacherinnen, Wirtschaftsingenieurinnen oder Politikerinnen erfolgreich sein? Wer sagt, dass Mädchen rosarote Puppen und Jungs schnelle Autos gut finden würden? Besondere Potenziale und Fähigkeiten von Frauen wie Männern bleiben so unbemerkt und verpuffen. Es lohnt sich, über Geschlechterrollen nachzudenken, weil erst dann Frauen wie Männer ihre Lebensentwürfe frei von Zuschreibungen, Vorurteilen und Rollenerwartungen gestalten können.