Ausstellung

XXIII. Rohkunstbau - Die Schönheit im Anderen - The Beauty of Difference

Wie gehen Menschen mit Fremdheit um? Wie betrachten sie „das Andere“, und was geschieht, wenn sie merken, dass „die Anderen“ auch sie betrachten? Zur Annäherung an diese Fragen, steht der Spiegel im Zentrum des Ausstellungskonzeptes des diesjährigen XXIII Rohkunstbau – Die Schönheit im Anderen.

Von Beginn an ist die Spiegelung zentral für die Entwicklung der Identität eines Menschen. Kleinkinder spiegeln sich zunächst in den Blicken und Gesten der Eltern und betreuenden Personen. Indem sie auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren und mit ihrer Mimik versuchen,  Antworten auf die Gefühlsäußerungen des Kindes zu geben, dient ihr Gesicht als erster Spiegel des Kindes.

In seinen einflussreichen Beschreibungen zum Spiegelstadium verdeutlicht Jacques Lacan, warum das Selbst erst in Auseinandersetzung mit dem „Anderen“ entstehen kann. Der Blick in den Spiegel und die eigene Reflektion ermöglichen es dem Kind, sich selbst als „den Anderen“ zu betrachten. Auf diese Weise kann sich das Kind als jemand erleben, der selbst von anderen gesehen wird: ein entscheidender Schritt zur Herausbildung des sozialen Selbst.

Zur Entwicklung des Selbst braucht es nach Lacan notwendigerweise „den Anderen“. Die Spiegelungen, die wir durch den Austausch und die Konfrontation mit dem „Anderen“ erfahren, gehen somit darüber hinaus, bloße Reflektionen zu sein, sondern sind entscheidend für die Bildung und Erfahrung des „Eigenen“.

Die ausgestellten Werke von 11 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, widmen sich diesen Aspekten angesichts der Zunahme nationalistischer Positionen in Europa und weltweit. Zum Wiederaufleben des Nationalismus gehören neben wachsendem Fremdenhass und Rassismus auch vereinfachende Vorstellungen von Identität, die bewusst viele Menschen ausschließen. Nach der breiten öffentlichen Welle der Unterstützung für geflüchtete Menschen, die vielerorts weiterhin besteht, tritt auch in Deutschland wieder deutlich hervor, dass rassistische Strukturen und auf Ausschluss beruhende Praktiken weiterhin fortbestehen und die Situation geflüchteter Menschen verschlimmern.

In der Ausstellung im Schloss Lieberose im Spreewald wird der Blick auf die Schönheit im Anderen gerichtet. Die Künstlerinnen und Künstler zeigen in ihren Kunstwerken, welches kreative Potenzial in der Wertschätzung und Auseinandersetzung des Anderen liegt. Und sie fragen danach, was nötig ist, um die oftmals vereinfachenden Diskussionen um das Thema „Andersheit“ in konstruktivere Bahnen zu leiten.

Amélie Grözinger nimmt die Perspektive des Spiegels bildlich auf und bietet den Besucherinnen und Besuchern viele unterschiedliche Facetten und Spiegelflächen zur Reflektion. Das eigene Spiegelbild, aber auch Szenen, die scheinen wie Ausschnitte aus Hochglanz-Magazinen, werden von ihr gebrochen und neu zusammengesetzt.

Dem Publikum begegnet im Gang durch die Räume des barocken Schlosses Lieberose zudem eine raumgreifende Installation von Elmgreen & Dragset. Das dänisch-norwegische Künstlerduo entwirft damit einen satirischen Kommentar zur Schwere und Ernsthaftigkeit des Ausstellungs-Themas „Fremdheit“.

Pélagie Gbaguidi setzt sich ihrer vielschichtigen Videoarbeit mit den Spuren und Bedeutungen von Trauma im Zusammenhang mit kolonialer Besatzung und mit der Rolle als Künstlerin innerhalb dieser Verflechtungen auseinander. Die historischen Narrative und das Schreiben der Geschichten sind nicht abgeschlossen und Gbaguidi begibt sich in ihrem Werk in die Fortschreibung und Deutung eigener Narrative.

Auch Emo de Medeiros schreibt die Geschichte in seinen Werken fort und entwickelt in seiner Installation und seinen Stoffarbeiten nicht-lineare, kraftvolle und farbenreiche Motive. In seiner Kunst, für die er sowohl traditionelle Materialien als auch neue Medien und Techniken verwendet, zeigt sich sein Konzept von Transkulturalität, dem er immer wieder neue Aspekte hinzufügt.

Toshihiko Mitsuyas glänzende Skulpturen aus Aluminium-Folie hingegen beeindrucken durch ihre Fragilität und Präzision. Sie bieten innerhalb der teils noch dekorierten Räume des Schlosses einen starken Kontrast zur Umgebung und erweitern die Geschichte des Ortes um internationale Mythen. Die teilnehmenden 11 Künstlerinnen und Künstler verbinden ihre unterschiedlichen Perspektiven auf „Fremdheit“ so auf je eigene Weise mit der Umgebung und setzen aktuelle Begebenheiten mit historischen Geschichten in Beziehung.

Vergangene Ausstellungen

Der Spiegel der Anderen – Mirror of Alterity

Die Flüchtlinge und die Angst vor dem Fremden. Zeitgenössische Kunst aus Mittel- und Osteuropa.

Europa ist zum Zufluchtsort für die Missachteten und Verfolgten in den Kriegs- und Krisenregionen der Welt geworden. Ganz Europa? Nein, ein großer Teil der europäischen Bevölkerung fremdelt und weigert sich, die Fremden willkommen zu heißen. Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die Emotionen aufwühlt und zum Teil fremdenfeindliche Affekte hervorruft. Vor allem im östlichen Teil Europas, sperrt sich die Mehrheit der Bevölkerungen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen - und ihre Regierungen nutzen diese Stimmung für einen zunehmend populistisch-autoritären Politikstil.

Rohkunstbau XX. REVOLUTION

Die Ausstellung XX. Rohkunstbau „Revolution“ fand vom 06. Juli bis zum 21. September 2014 auf Schloss Roskow im Landkreis Potsdam-Mittelmark statt und folgt den Ausstellungen der vergangenen Jahre zu den Themen „Macht“ und „Moral“

Rohkunstbau XIX. MORAL

Vor dem Hintergrund von Wagners „Walküre“ beschäftigten sich zehn Künstler/innen mit Moral. Die Kunstwerke fragen nach gemeingültiger Ethik als Motiv für gesellschaftliche und individuelle Konflikte.

Rohkunstbau XVIII. MACHT

Für den XVIII. Rohkunstbau haben sich zehn bildende Künstler/innen aus fünf Na­tionen mit Symbolik und Interpretationen, aber auch mit den Folgen und dem Missbrauch von Macht auseinandergesetzt.

Rohkunstbau XV. "Drei Farben - Blau Weiß ROT"

Mit "Drei Farben-Blau Weiß ROT" hinterfragt der XV. Rohkunstbau mit seiner Trilogie über demokratische Grundwerte den Stand der Verwirklichung und die heutige Bedeutung des Ideals der Brüderlichkeit.

Rohkunstbau XIV. "Drei Farben - Blau WEISS Rot"

Im zweiten Teil der Trilogie "Drei Farben-Blau WEISS Rot" positionieren sich eine Vielzahl bildender und darstellender Künstler zur Gleichheit -demokratischer Grundwert schlechthin- in Schloss Sacrow.

Rohkunstbau XIII. "Drei Farben - BLAU Weiß Rot"

Mit "Drei Farben–BLAU Weiß Rot" beginnt ein neuer Abschnitt im Rohkunstbau-Projekt, der demokratische Grundwerte erforscht. Viel persönliche Freiheit ist hier möglich – wie viel ist tatsächlich nötig?

Rohkunstbau

Seit 1994 steht die Ausstellung Rohkunstbau für leidenschaftliches Engagement bei der Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur genauso wie für die Wiederentdeckung und Neubelebung fast vergessener Kulturstätten in den ländlichen Regionen Brandenburgs.

Aktueller Ausstellungskatalog

XXIII. ROHKUNSTBAU Ausstellungskatalog

Der Ausstellungskatalog zum XXIII. ROHKUNSTBAU 2017 - Die Schönheit im Anderen

Der Katalog zum XIII. ROHKUNSTBAU 2017 widmet sich dem Thema und dokumentiert die Vielfalt der Arbeiten der 11 internationalen Künstlerinnen und Künstler zur »Schönheit im Anderen«. Neben Hintergründen zu den Werken, durchgehend farbigen, illustrierenden Abbildungen sind u.a. die Initiatoren der Ausstellung Mark Gisbourne und Inka Thunecke mit Beiträgen vertreten. Erstmalig ist ROHKUNSTBAU in diesem Jahr, zurück im Spreewald, im Schloss Lieberose zu Gast – auch die Geschichte des Schlosses wird mit Text und Bild präsentiert.

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